Nachhaltigkeit

    5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

    Es ist okay, nicht perfekt zu sein. Aber etwas geht immer.

    19. August 2018
    5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag | Es ist okay, nicht perfekt zu sein. Aber etwas geht immer.

    „Nachhaltigkeit, ja, da muss ich immer direkt an die Meyers denken!“ Das wird niemals jemand denken oder sagen, aber das ist auch okay. Wir sind in einem überschaubaren Rahmen nachhaltig und setzten das um, was in unseren Alltag passt. Sicher, mehr geht immer, aber ich bin ehrlich und ab und an habe ich mega Bock auf einen Pudding im Plastikbecher oder nehme die steinharten Nektarinen ohne Bioaufkleber mit, weil sie eben noch schön hart sind und nicht schon überreif, wie die Brüder und Schwestern aus dem Bioladen.

    Ich verteufle auch keine Discounter und bin ziemlich dankbar dafür, dass sie mir in meiner Studienzeit eine etwas ausgewogenere Ernährung erlaubt haben, als trockenes Toastbrot. Und die Äpfel in meiner Kindheit hat meine alleinerziehende Mutter mit ihrem Gehalt aus dem Reformhaus auch nicht immer im Bioladen kaufen können.

    Ich kann es aktuell gut mit meinem Gewissen vereinbaren nicht unser gesamtes Leben zu 100 % nachhaltig zu gestalten, sondern ein ganz okayes Mittelding zu leben. In vielen Bereichen unseres Alltags haben wir einiges umgestellt und denken immer weiter um, aber manchmal sind wir auch einfach bloß bequem oder sparen auf ein Eigenheim, statt auf den 5 € Bioblumenkohl, der nur minimal größer ist als meine Faust.

    Vielleicht passt unser Familienmüll in ein paar Jahren in ein Schraubglas, wer weiß. Aktuell bringen wir aber unseren Müll noch ein bis zwei Mal die Woche raus.

    Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

    Ich bin kein Nachhaltigkeitsguru, aber wir haben für uns den Dreh ganz gut raus, wie wir ohne viel Aufwand in unserem Alltag etwas mehr auf die Umwelt achten.

    Aufbrauchen

    „Ich will jetzt total nachhaltig sein, weg mit dem ganzen Scheiß!“ Wenn man mit etwas Neuem anfängt, bzw. etwas Altes hinter sich lässt, möchte man am liebsten einen sauberen Neustart hinlegen. Gerade beim Thema Nachhaltigkeit ist das aber totaler Quatsch. Diverse Plastikfolien und Chemiekeulen in den Müll werfen um dann alles gegen grüne Produkte auszutauschen hilft der Natur kein bisschen.

    In unser Abstellkammer liegt noch immer eine angebrochene Packung Frischhaltefolie aus dem letzten Jahr, die wir langsam aufbrauchen und immer dann benutzen, wenn unsere Alternativen dazu nicht ganz passen oder gerade in Benutzung sind.

    Putzen, Waschen und Pflegen geht auch in Grün

    Diverse Allergien und eine sehr empfindliche Haut haben mich schon vor einigen Jahren bei vielen Produkten umdenken lassen. Unsere Putzmittel kommen aus dem Bioladen, weil ich davon weder Niesen muss, noch Ausschlag bekomme, wenn ich beim Putzen keine Handschuhe trage. Sie sind übrigens weder teurer als die Markenprodukte aus der Werbung, noch stehen sie in ihrer Wirkung hinten an. Den Geruch finde ich bei fast allen Produkten sogar viel angenehmer und weniger penetrant.

    Wir waschen auch nicht erst seit der Geburt unseres Kindes mit Ökowaschpulver und verzichten auf Weichspüler. Ja, unsere Wäsche riecht nach zwei Jahren ungetragen im Schrank nicht mehr nach einer Blumenwiese, sondern einfach sauber nach nichts, aber meine Haut fängt auch nicht an zu jucken, wenn ich frisch gewaschene Wäsche anziehe. Vielleicht sollten wir uns mal Gedanken darüber machen warum herkömmliches Waschmittel so lange einen „sauberen“ Duft verströmt, der so penetrant und langanhaltend sein kann.

    Ohne Weichspüler ist Wäsche übrigens nicht steinhart. Ein Schuss Essig im Weichspülerfach der Waschmaschine macht auch unsere Handtücher flauschig.

    In vielen herkömmlichen Pflege- und Reinigungsprodukten ist eine ordentliche Portion Mikroplastik enthalten, das keine Kläranlage mehr aus dem Wasser filtern kann. Inzwischen gibt es in jeder Drogerie erschwingliche Naturkosmetik, die den teuren Chemiekeulen in nichts nachsteht, dafür aber um einiges besser für die Umwelt ist. Mir hat eine radikale Umstellung übrigens bei Hautproblemen geholfen und mein Mann, Sohn einer Friseurmeisterin, schwört inzwischen auf das Biohaarshampoo, statt auf das „professionelle“ Produkt aus dem Salon.

    Noch eine Nummer nachhaltiger wird es übrigens, wenn man Produkte selbst herstellt. Putzmittel können mit wenigen Zutaten aus der Drogerie und dem Supermarkt hergestellt werden und meine Haare sehen und fühlen sich am schönsten an, wenn ich sie mit Wascherde wasche. Ja, ich wasche meine Haare mit Erde.

    Nachfüllen

    Unser Allzweckreiniger ist ein Konzentrat, das schon seit Anfang des Jahres hält und einfach mit ordentlich Wasser aufgefüllt in eine Sprühflasche kommt. Unser Spühlmittel kaufe ich inzwischen in der Monsterpackung und ich habe zwei Läden gefunden, in denen ich mit den leeren Packungen unseres Glas- und Badreinigers gehen kann um sie auffüllen zu lassen. Immer mehr Bioläden und einige Drogerien bieten das an, gerade für Bioprodukte. Und es ploppen auch in kleineren Städten Unverpacktläden auf, in denen man Reinigungsprodukte auffüllen kann.

    Für viele Produkte gibt es auch Nachfüllpacks zu kaufen, mit denen man am Ende weniger Müll fabriziert, als ständig ein neues Produkt mit nach Hause zu bringen.

    Wiederverwenden

    Es ist wirklich kein Hexenwerk auf Plastiktüten zu verzichten. In Rucksack oder Tasche habe ich immer einen Ökobeutel dabei, und neben der Tür liegen Stoffnetze für Obst, Gemüse und Brot, die ich mir einfach greifen kann, wenn ich einkaufen gehe. Wenn ich sie wirklich mal vergesse oder mehr einkaufe, als ich an Beuteln dabei habe und zu Einwegtüten greifen muss, benutze ich diese daheim einfach wieder, z. B. als Müllbeutel. Drei Naktarinen überleben es aber auch, wenn man sie ohne jegliche Tüte auf das Kassenband legt.

    Ich kann in der Regel gut absehen, ob ich am Tag einen Kaffee unterwegs trinken möchte und packe dann meinen wiederverwendbaren To-Go-Becher ein. Damit kostet mich der Kaffee in vielen Cafés übrigens weniger, weil es Rabatt gibt.

    Wirklich runtergerockte Kleidung, die niemand mehr retten kann, findet bei uns ein zweites Leben als Putzlappen. Könnte ich nähen, würde ich daraus Stoffsäcke zum Einkaufen machen.

    Erst nachdenken, dann kaufen

    Ich bin selbst noch dabei diesen Tipp wirklich zu verinnerlichen. Jetzt wo ich mir vieles von dem kaufen kann, was ich mag und gerne möchte, neige ich dazu es auch zu tun. Obwohl ich es eigentlich gar nicht so dringend oder in der Menge brauche. Bei Kleidung fällt es mir erstaunlicherweise leichter einfach mal die Finger still zu halten, als bei Lebensmitteln. Ich kaufe doch noch immer ab und an etwas zu viel Obst und Gemüse ein und muss am Ende gucken, was ich mit überreifen Nektarinen oder den leicht verschrumpelten Möhrchen mache, bevor sie ihren Zenit überschreiten.

    Den Dreh bei Kleidung für mich hatte ich schnell raus. Einmal alles aussortieren, weitergeben und verkaufen, was ich wirklich nicht mehr brauche war der erste Schritt um jetzt bewusst und nachhaltig das zu kaufen, was ich wirklich gerne und oft trage. Dieses Jahr gab es keinen Impulskauf von Blumenkleidern, die ich eh nur ein einziges mal trage oder von Trendteilen, in denen ich mich eigentlich bloß verkleidet fühle, die aber schrecklich hipp sind.

    Bei Lebensmitteln hilft es mir, einfach öfter einkaufen zu gehen und an frischen Dingen nur die Mengen zu kaufen, die wir am jeweiligen Tag und evtl. am nächsten Tag auch wirklich verbrauchen.

    Bevor ich mir Kosmetik oder Pflegeprodukte kaufe brauche ich in den meisten Fällen erst einmal das auf, was ich gerade nutze und überlege genau, was ich neues möchte. Der Vorteil, wenn man Naturkosmetik nutzt: In der Drogerie ist ein Lippenstiftimpulskauf eher selten der Fall.

    Das ich im Nestbautriebfieber beim zweiten Kind irgendetwas kaufen werde, das wir nicht brauchen, ich aber einfach schrecklich schön finde, ist allerdings sehr wahrscheinlich. Wie gesagt, ich bin nicht perfekt und werde bei zuckersüßen Kuschelkatzenspieluhren schwach.

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