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Mommy

Stilldemenz

Worum ging’s nochmal?

10. Januar 2017

Manchmal nehme ich mein iPhone in die Hand, entsperre es und … halte inne. Ganz plötzlich ist mein Kopf leer, ich habe keine Ahnung was ich gerade machen wollte, maximal kann ich mich noch daran erinnern, dass es etwas wichtiges war. Großartig, immerhin etwas. Ich vergesse unglaublich schnell, was ich sagen wollte wenn mein Gegenüber mal etwas länger für seinen Satz braucht oder mich unterbricht. Meine Qualitäten als Gesprächspartner sind, seit Jonah da ist, ziemlich traurig. Ich mache mich aber gut als Zuhörerin, also zumindest als Person die so aussieht, als würde sie zuhören. Ich sitze gerne da, lasse mich von den Geschichten anderer berieseln und … denke nicht nach.

Während ich anfangs einfach nicht dazu kam, meinen Tee heiß zu trinken, vergesse ich ihn inzwischen einfach in der Küche. Wenn ich denn überhaupt daran denke das aufgekochte Wasser über die Teebeutel zu gießen. Seit drei Wochen denke ich bei jedem Body mit hübschen, gelben Flecken daran Gallseife auf die Einkaufsliste zu setzen, vergesse es aber jedes mal, nachdem ich den immer kleiner werdenden Seifenblock zurück in die Packung lege und das Bad verlasse. Achtung, ich trage das jetzt in die Liste ein!

Meine Handy erinnert mich regelmäßig an Dinge, die ich noch erledigen muss, weil es dann aber meistens nicht passt (Stillen, Mittagsschlaf, Babyspucke) snooze ich die Erinnerung. Das kann man ganz entspannt mehrere Tage machen. Irgendwann tippt man dann auch nicht mehr „In einer Stunde erinnern“ sondern „Morgen erinnern“ an. Läuft. Weil mein Mann das inzwischen weiß, merkt er sich die ganz wichtigen Dinge für mich und schreibt mir dann von der Arbeit aus Nachrichten mit meinen Erinnerungen. Die kann ich dann leider nicht mehr snoozen. Auch handgeschriebene To-Do-Listen helfen mir nicht viel, ich vergesse sie nämlich gerne mal. Was nicht bedeutet, dass ich nicht immer wieder welche anlege. Ich liebe To-Do-Listen. Ich mache mir gerne einen Plan und hake so gerne Dinge ab. Irgendwann hake ich alle To-Do-Listen ab, die ich vergessen habe, weil es so schön ist.

Wenn ich Nachrichten bekomme, ist meistens nicht der richtige Zeitpunkt um sie zu lesen, oder auf sie zu antworten. Ich verschiebe das immer auf einen ruhigen Moment, weil ich mich nicht nur halb der Nachricht und damit der Person die sie mir schickte zuwenden möchte. Blöd nur, dass ich in der ruhigen Minute meist vergessen habe, dass ich eine Nachricht bekam auf die ich antworten wollte. Ganz schlimm sind da übrigens der Facebook-Messenger und WhatsApp. In beiden bin ich in irgendwelchen Gruppenchats, die ich zwar gemutet habe, aber am Icon trotzdem die kleine, rote Notificationbubble immer höher zählt. Da geht eine neue Nachricht gerne mal unter. Und dann, zwei Monate später entdecke ich sie und fühle mich unglaublich schlecht.

Entweder ich leide an Stilldemenz, oder ich habe bei der Geburt versehentlich mein halbes Gehirn mit herausgepresst. Ich hoffe ja auf ersteres. Gut, aktuell sieht es so aus als würde ich Jonah bis er 18 Jahre alt ist stillen, aber nach diesen 18 Jahren würde ich mich wieder daran erinnern können, warum zum Henker ich gerade Wunderlist geöffnet habe. (Text durchlesen hilft, Ivy. Jetzt steht Gallseife endlich auf der Liste.)

Schon während der Schwangerschaft stand mein Gedächtnis manchmal im Standby. Und je näher die Geburt rückte, desto vergesslicher wurde ich. In meinem Kopf drehte sich alles um das Baby und das tut es heute die meiste Zeit auch noch. Jonah macht sich breit in meinem Kopf und verdrängt alles andere. Das ist okay, er ist ja auch um einiges niedlicher als ein Block Gallseife.

Dem veränderten Hormonhaushalt lassen sich die Aussetzer ganz gut unterschieben. Schon während der Schwangerschaft geht der rund und sorgt u.a. für den Nestbautrieb. Die vermehrte Ausschüttung von Oxytocin sorgt auch dafür, dass sich Mütter voll und ganz auf ihr Baby konzentrieren, da werden weniger wichtige Dinge einfach in den Hintergrund gedrängt. Dass jeder Tag ein neues Abenteuer ist und fast nie dem gleich Muster folgt trägt auch dazu bei, dass man sich nicht so gut konzentrieren kann und Nebensächlichkeiten untergehen. Schlafmangel tut dann sein übriges. Wobei ich eigentlich genug Schlaf bekomme. Mit Jonah Mittagsschläfchenen machen und um 18 Uhr zusammen mit ihm ins Bett gehen (er wittert es wenn ich aufstehen will und wacht einfach wieder auf) sorgen dafür, dass ich ausreichend Schlaf bekomme. Naja, nur gerade nicht. Das liegt aber nicht an meinem Baby, das gerade wieder neben mir liegt und friedlich schläft, sondern an irgendeiner innerlichen Unruhe, die mir seit zwei Wochen den Schlaf raubt. Ich kann nicht abschalten und weiß einfach nicht warum. Vermutlich wusste ich es mal, wollte es in mein iPhone eintragen um mich später daran zu erinnern, vergaß es aber vorher wieder.

Solange ich aber meine Unterwäsche regelmäßig wechsle (ich muss noch Wäsche abnehmen), mit Schlüssel, Kind und Schokolade das Haus verlasse und immer für Sahne im Kühlschrank sorge damit der Kakao perfekt schmeckt, ist alles gut.

Laut einer neuen Studie verändert sich das Gehirn einer Mutter nachweislich, wobei noch nicht gesagt werden kann warum und ob das ganze dauerhaft ist. Die Studie lief zwei Jahre und in diesen zwei Jahren waren die Veränderungen sichtbar. Man geht momentan von einem Umbauprozess aus. Was danach passiert? Alle Mütter werden Superhelden, ganz klar!

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10 Kommentare

  • Antworten Ludwig 10. Januar 2017 um 10:01

    Ich glaube du musst dir keine Sorgen machen. Immerhin hast du nun ein Kind um das du dich kümmern musst. Andere Sachen fallen da sicher gerne mal unter den Tisch. Solange es nichts sehr wichtiges ist..
    Ich habe kein Kind und mir geht es oftmals genauso. Erst heute früh bin ich verzweifelt aufgestanden und hab in meinem „Postfach“ geschaut ob ich einen sehr wichtigen Brief abgeschickt habe, der irgendwan mitte Dezember hätte weg gehen sollen.

    Auf Arbeit mache ich mir immer zig Zettel und nach Dienstschluss beim umziehen rutschen sie alle aus der Dienstkleidung. Oft völlig unbearbeitet. Ich denke das ist die Mediendemenz und eben das vorran schreitende Alter. Wir sind ja nun auch nicht mehr so ganz die jüngsten. 😉

  • Antworten Lea 10. Januar 2017 um 10:17

    Sehr schön geschrieben weil absolut zutreffend, auf jeden Fall auch auf mich 🙂 Auch jetzt, wo der Lütte 14 Monate alt ist, wird es eher noch schlimmer als besser. Aber ganz klar, in einem Jahr bin ich Superwoman!

    Lass es Dir gut gehen

    LG, Lea

  • Antworten Sabrina 10. Januar 2017 um 13:11

    Du hast es so gut getroffen. Stilldemenz. Das ist das Wort. Besser kann man es nicht sagen. ^^ Hast du sehr lustig beschrieben. Du solltest ein Buch schreiben.

  • Antworten Mama Maus 11. Januar 2017 um 17:22

    Hallo Ivy,

    Sehr schön geschrieben.
    Ich habe vor zwei Jahren nach der Geburt unseres dritten Kindes meine Gedanken dazu aufgeschrieben http://kinder-kueche-kaufrausch.blogspot.com/2014/10/ist-stilldemenz-ansteckend.html

    Nummer 4 ist kurz vor Jonah geboren und bei mir herrscht auch schon wieder oder immer noch Stilldemenz. Danke, dass ich dank dir jetzt weiß, dass ich nicht alleine bin.

    Viele Grüße
    Mama Maus

  • Antworten Pat 17. Januar 2017 um 17:02

    sehr gut getroffen 🙂

  • Antworten Josy 17. Januar 2017 um 21:52

    Huch….das klingt irgendwie nach mir. Ich bin schrecklich vergesslich, aber das war ich schon immer. Ich notiere mir sehr viel und vergesse trotzdem sehr viel.

    Aber mach dir keine Sorgen. Du hast mit deinem Baby nun soviel um die Ohren. Hauptsache dem Kind geht es gut. Da ist alles andere erstmal nebensächlich und mit der Zeit wird es mit der Vergesslichkeit bestimmt besser werden. Man macht sich leider viel zu viele Gedanken.
    liebe Grüße
    Josy

  • Antworten Andrea 18. Januar 2017 um 22:10

    Das ist ja interessant, mir sagt das alles nichts, ich hab selbst noch keine Kinder. Aber manchmal vergesslich bin ich definitiv auch 🙂

  • Antworten Martin 18. Januar 2017 um 23:44

    Ich denke es handelt sich nicht um Stilldemenz 😉 sondern vielmehr um die Tatsache, dass du und dein Körper sich an die komplett neue Situation gewöhnen. Es ist ein prozess der dich fordert, Qualitäten verlangt die vorher so nicht beansorucht wurden und nun im Fokus stehen!!! Das wird sich schon regeln 🙂

    Liebe Grüße,
    Martin

  • Antworten Ingrid Philipp 17. Februar 2017 um 15:05

    Hallo meine liebe:)

    War letztens auf nem guten vortrag zum thema still/schwangerschaftsdemenz u wochenbettdepression und dem zusammhang vom omega 3 Mangel u passenden studien von Andreas Joop!ich habe für mich eine tolle firma entdeckt u versorgen mich mit omega 3 seid der schwangerschaft. Mittlerweile ist klein michel 3 1/2 monate u Gedächtnis mässig fühle ich mich fit. Bin überzeugt dass uns frauen dass fehlt:)halten nun auch bei uns im.geburtshaus nen vortrag dazu:)

    Lieben gruss

    • Antworten Ivy 17. Februar 2017 um 15:07

      Omega 3 nehme ich schon seit der Schwangerschaft, zusammen mit ein paar anderen Dingen, die mir meine Frauenärztin empfahl. Schusselig und Vergesslich bin ich trotzdem. :/

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