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Mommy

Der wird später sicher mal gemobbt

Über rosafarbene und blaue Geschlechterrollen und warum wir mit unseren Vorurteilen die Mobber von morgen erschaffen

2. Mai 2017
Der wird später sicher mal gemobbt | Rosafarbene und blaue Geschlechterrollen | Erziehung

Der Sohn hat eine rosa Mütze, auf ein paar Oberteilen sind kleine Kätzchen und ein rosa Tuch hat er auch. Ihm steht rosa einfach und ich mag Katzen. Mein Mann auch. Katzen sind kein Mädchending. Es bleibt mir ein Rätsel warum es sie nur auf Kleidung aus der Mädchenabteilung gibt. Rosa und „Mädchenkleidung“ lassen andere Menschen gerne mal dazu verleiten uns kluge Ratschläge zu geben. „Aber er ist doch ein Junge. Später will der dann doch sicher auch Kleider tragen und mit Puppen spielen. Der wird dann sicher gemobbt.“

Puh. Erstmal finde ich die Differenzierung von Mädchen- und Jungenkleidung albern. Eine Farbe ist weder einem Penis noch einer Vulva zugeordnet. Mädchen wollen auch gerne mal Pirat sein und Jungs Prinzessin. Schließlich dürfen die machen was sie wollen. Und Jungs spielen auch gerne mit Puppen Vater, Mutter, Kind, wobei es ihnen, je jünger sie sind, vollkommen egal ist ob sie Vater oder Mutter sind.

Unser Sohn verbringt die meiste Zeit des Tages mit mir. Er sieht mich wie ich ich koche und putze, wie ich Kleider und Röcke trage und wie ich mir Rouge auf die Wangen pinsel. Er beobachtet mich in meinem Tun immer mehr. Er schaut interessiert zu und fängt ganz langsam an mich nachzuahmen. Wenn er daran Interesse hat, wird neben dem großen Herd irgendwann ein kleiner stehen. Er darf mit meinen Pinseln seine Wangen kitzeln und sollte er mal einen Lippenstift zu fassen kriegen kann er sich und den Spiegel damit anmalen. Möchte er, wenn er etwas größer ist, meine Kleider anprobieren, darf er das. Schließlich durfte auch ich in die Kleider meiner Mutter und in die Hosen meines Vaters schlüpfen und hatte dabei einen Heidenspaß. Ich werde es ihm nicht verbieten sich im Geschäft Pullis mit Glitzerponys auszusuchen anstatt mit Treckern oder Trecker anstatt Glitzerponys. Er darf sich frei entfalten. In Hosen und Kleidern. Ich dränge ihn in keine Richtung.

Natürlich mag mir jetzt einer vorwerfen, dass ich es doch tue und ihn durch das Tragen von Hosen bereits zeige, dass Jungs eben Hosen zu tragen haben, aber hätte ich eine Tochter, sie würde in diesem Alter auch Hosen, Leggings und Strumpfhosen tragen. Bei Robb- und Krabbelkindern sind Kleidungsstücke einfach Quatsch, die hochrutschen können. Und Röcke und Kleider rutschen nunmal hoch.

Mobben hat nichts mit der Farbe oder der Art von Kleidung zu tun, die jemand trägt. Und auch nichts mit den Vorlieben für Puppen oder Autos. (Und natürlich auch nichts mit der Hautfarbe und Herkunft.)

Kinder mobben andere Kinder aufgrund von Vorurteilen, die ihnen von den Eltern mitgegeben werden. Eltern die befürchten andere Kinder würden aufgrund von rosa Mützen und Katzenprints gemobbt werden, schaffen die Mobber der nächsten Generation, gewollt oder ungewollt. Denn sie vermitteln ihren Kindern, dass bestimmte Dinge nur Mädchen dürfen, oder eben nur Jungs. „Irgendwann wird es vielleicht von den Mitmenschen akzeptiert, wenn Jungs auch Mädchensachen tragen, aber jetzt ist es noch nicht soweit und deshalb ziehe ich meinem Sohn keine rosa Sachen an.“ trägt nicht dazu bei, dass die nächste Generation toleranter damit umgeht. Damit wird weiterhin dafür gesorgt, dass es als abnormal angesehen wird. Es ist ja schön, wenn man eigentlich cool damit ist, aber es trotzdem nicht machen, weil andere es nicht machen, ändert nichts.

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3 Kommentare

  • Antworten Jane 2. Mai 2017 um 11:27

    Danke für diesen Beitrag. Ich hoffe das lesen ganz viele Menschen, und begreifen, dass wir durchaus etwas an der Situation ändern können, indem wir uns so verhalten, wie wir es uns von der zukünftigen Gesellschaft erhoffen. Deine Worte sind wirklich wichtig!

  • Antworten Jane 2. Mai 2017 um 15:29

    Oh ja, jaaa, danke für den Artikel! Meine Tochter wird bestimmt auch später gemobbt, weil sie die Sachen ihrer Großcousins tragen muss. Alles sehr blaulastig, mit vielen Autos und ohne Glitzer. Und hier auf dem Dorf erlebe ich es täglich, dass irgendeine Oma in den Wagen glotzt und fragt, wie alt der Junge ist. Wenn ich dann aufkläre, dass SIE bals 1 Jahr wird, werde ich auch ganz erschrocken angeschaut: „Was? Aber es trägt doch eine blaue Mütze!“ Na Und? Ich war/bin eben total geizig und faul was das Klamottenkaufen fürs Baby angeht und kann mich glücklich schätzen, dass in meiner Familie alles weitergegeben wird.

    Meine Schwägerin erzählte mir letztens belustigt und gleichzeitig beschämt, dass ihr 2-jähriger Sohn auch mal einen Haargummi für seine Haare haben wollte, weil er es eben bei ihr sah. Und sie meinte nur so zu ihm: Nee du, ich hab nur den Einen. Da dachte ich mir auch nur, der arme Junge, wird auch ins typische Klischee hineingezwängt und darf sich nicht ausprobieren.
    Find ich auch ok, wenn dann die Phase kommt, wo sie Nagellack ausprobieren wollen. Sollen sie doch. Und meine Motte darf gerne mit Autos und Werkzeug spielen, wenn ihr das besser gefällt.

    Liebe Grüße

  • Antworten Sarah 13. Mai 2017 um 20:13

    Hahaha… mein Sohn hat sich grad letzte Woche ne Jacke in der Mädchenabteilung ausgesucht und auch bekommen…. wir erziehen nämlich mit dem ganzen Regenbogen 🌈 😂

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