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Baby Familienleben

28 Sonnenaufgänge

Vier Wochen Lasse | Drei Wochen zu dritt

20. November 2018
28 Sonnenaufgänge | Vier Wochen Lasse Bo | Drei Wochen zu dritt

Erst hieß der Beitrag „Zwei Wochen […]“ dann „Drei Wochen […]“. Beim ersten Versuch alles in Worte zu fassen musste ich ständig heulen, beim zweiten musste Lasse immer weinen. So ist das also mit zwei Kindern, alles braucht etwas mehr Zeit.

Ich kann mir schon jetzt kein Leben mehr zu dritt vorstellen. Wir vier fühlen uns so an, als wären wir schon immer eine Einheit. Und trotzdem kann ich noch nicht sagen, dass wir in unserem neuen Leben als große Familie angekommen sind und ich glaube, es wird sicher noch eine ganze Weile so bleiben. Hier steht alles Kopf, ist laut, riecht nach leicht gegorener Milch und jeder Tag ist eine neue Herausforderung.

Abends falle ich ins Bett und bin fertig mit der Welt, habe das Gefühl nichts und niemanden gerecht geworden zu sein und meiner neuen Rolle noch nicht gewachsen. Glücklicherweise stehe ich morgens immer wieder ohne das Gefühl auf, die Kackmama vom Vortag zu sein und freue mich auf einen neuen Tag mit meinen drei Lieblingsmenschen. Ich würde sagen, das verdanke ich einem Mix aus der magischen Kraft des Schlafes und der ganzen Stillhormone.

Kreißsaal, Wochenbettstation, Neo, Kinderklinik

Warum „Vier Wochen Lasse“ und nur „Drei Wochen zu dritt“? Weil unser Start als kleine, große Familie alles andere als wie erträumt und geplant lief und Lasse und ich die erste Woche alleine im Krankenhaus verbrachten.

Statt einer ambulanten Geburt landeten wir erst auf der Wochenbettstation, dann auf der Neonatologie der Geburtsklinik und am Ende für mehrere Nächte in der Kinderklinik. Statt Neugeborenenduft, verströmte mein kleines Baby den Geruch von Penicillin und statt in Ruhe Haut an Haut zu kuscheln, piepste bei jedem Versuch mein Kind in den Arm zu nehmen ein Monitor und tausend Kabel und Schläuche mussten abgestöpselt oder irgendwie gehalten werden.

Ich habe in dieser Woche so viel geweint wie noch nie in meinem Leben, hatte Angst, fühlte mich alleine und schuldig. Und noch jetzt muss ich weinen, wenn ich daran denke, fühle mich verantwortlich für alles, auch wenn ich es gar nicht bin, fühle mich wie eine Versagerin, weil ich mein Baby nicht vor allem beschützen konnte und für mein großes Kind so lange nicht da war.

Was aber gerade am wichtigsten ist: wir sind jetzt alle zuhause und Lasse ist gesund.

28 Sonnenaufgänge | Vier Wochen Lasse Bo | Drei Wochen zu dritt

Hallo Lasse

Lasse kam ein ganzes Kilo schwerer und fast eine ganze Handbreit größer auf die Welt, als sein großer Bruder. Wir scheinen uns die Kinder aufgeteilt zu haben, denn während Jonah mit dunklem Teint, dunklen Haaren und dunklen Augen ganz nach seinem Papa kommt, ist Lasse so blass wie ich, hat helle Haare und helle Augen. Das Grübchen am Kinn haben aber beide vom Papa.

Er wird von allen Seiten geliebt und ist jetzt schon Mitglied in der Crew seines großen Bruders. Schließlich ist er auch bei fast jedem Ausflug und jedem Spieldate, gut eingepackt in die Trage und ganz nah bei mir, mit von der Partie.

Unser kleiner Lasse Bo weint viel und oft untröstlich. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ihm hat die Anfangszeit sicher genauso zugesetzt wie mir und wir beide müssen das erst einmal verdauen.

Apropos verdauen: Nach seinem Start im Leben mit ordentlich Antibiotika ist sein kleiner Darm noch weniger bereit sich der Welt außerhalb meines Bauches zu stellen, als es ein Babydarm nicht eh schon ist und wir kämpfen jeden Tag gegen Bauchweh, gegen die nichts so wirklich helfen mag. Aber wir sind dran und nachdem ich Unsummen in der Apotheke ließ bin ich ganz guter Dinge, dass wir neben Tragen, Stillen und Massieren einen weiteren guten Helfer für uns gefunden haben.

Superpapa

Während ich im Krankenhaus war, hat Tom den Laden geschmissen. Und das verdammt gut! Er war ein Superpapa, hat den Haushalt geschmissen, uns regelmäßig besucht und mich fest in den Arm genommen und auf dem Spielplatz hat er sich als ganz hervorragendes Mitglied unserer Mütterclique gezeigt, das sogar heißen Kaffee für alle mitbringt und die Snackbox besser füllt als ich.

28 Sonnenaufgänge | Vier Wochen Lasse Bo | Drei Wochen zu dritt

Ich bin so froh ihn an meiner Seite zu haben! Diggi, ich liebe dich sehr.

Großer Bruder

Jonah liebt seinen kleinen Bruder. Er freut sich immer ihn zu sehen, hilft beim Wickeln, verteilt Küsschen, streichelt viel und verteidigt den Kinderwagen vor allen Kindern, die sich ihm in der KiTa nähern wollen. Er ist immer mit einem „Alles gut Lasse“ zur Stelle, wenn sein kleiner Bruder weint und er erzählt jedem, dass das sein Baby, sein kleiner Bruder, sein Lasse ist.

Er ist ein ganz großartiger großer Bruder! Und das, obwohl er gerade so viel zurückstecken muss. Wir Eltern sind oft gestresst und viel zu oft genervt. Ich fühle mich wie eine Kackmama, weil ich so oft meckere und er viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Seit Lasse und ich zuhause sind, hängt er an uns Eltern, geht in der Wohnung nicht ohne uns in einen anderen Raum, möchte nicht alleine Spielen und schläft Abends nur noch in Papas Armen ein, obwohl er vorher nach dem Vorlesen immer alleine in seinem Bett mit einem Hörbuch einschlief. Unsere Aufmerksamkeit, die so oft dem weinenden Baby geschenkt wird, holt sich der große Bruder jetzt oft mit Quatsch und Randale. Und es tut mir so Leid. Ich würde mich am liebsten klonen um für beide gleich viel da zu sein und Jonah die Aufmerksamkeit und Zeit zu geben, die er braucht und verdient.

Und trotzdem ist er die ganze Zeit eine richtige Strahlemaus, die mir immer wieder ein breites Grinsen in mein Gesicht zaubert, die mein Herz mit so viel Liebe füllt und die jeden Tag zu einem Tag voller neuer Wunder und Abenteuer macht.

28 Sonnenaufgänge | Vier Wochen Lasse Bo | Drei Wochen zu dritt

Hilfe annehmen

Ich bin gerade jetzt doppelt und dreifach froh, so eine tolle KiTa für unser Kind gefunden zu haben, in der die Erzieher immer für unseren kleinen Wirbelwind da sind, ihn auffangen und einen richtig guten Tag bescheren. Und ich bin froh so viele tolle Nachbarn zu haben, die immer einen Arm zum Tragen frei haben und dem großen genau dann Aufmerksamkeit schenken, wenn ich es gerade nicht kann. Und … jetzt muss ich schon wieder heulen.

Es tut so gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind und wir immer jemanden haben, der uns hilft. Was ich allerdings noch lernen muss: Hilfe annehmen! Das fällt mir erstaunlich schwer.

Es heißt Wochen B-E-T-T!

Nach einer Woche Krankenhausmief brauchte ich zuhause als erstes frische Luft. Viel davon um alles wegzupusten, dass mich noch an diese Zeit erinnert. Ich saugte jeden Strahl Tageslicht auf, denn davon gab es in der Kinderklinik wenig. Erst hat die Zeit im Krankenhaus mein Wochenbett verhindert, weil ich immer auf den Beinen war, zuhause habe ich es dann selbst aus dem Bett auf das Sofa, den Spielplatz, den Kinderzimmerfußboden, den Stadtpark und die Kinderzimmer von Freunden verlegt.

Nach zwei Wochen ist Tom inzwischen wieder zurück zur Arbeit, seine Elternzeit startet erst nächstes Jahr. Mit einem Kleinkind, das nach der KiTa draußen durch die Welt toben möchte, ist Zeit im Bett kaum möglich. Aber ich versuche den Vormittag ruhig zu gestalten, mache nur das Nötigste und kuschle viel mit unserem kleinen Baby.

Das ist so ganz sicher nicht optimal, vor allem nicht für die Rückbildung und Regeneration meines Körpers, aber anders ist es für uns und vor allem für mich nicht umsetzbar.

Eingrooven

Trotz all der Tränen, die hier täglich vergossen werden, der Fäuste, die wütend auf den Boden gehauen werden, der Milchflecken auf all meinen Oberteilen und der Staubflusen, die sich in der ganzen Wohnung tummeln: Ich bin voller Liebe für meine Familie, für unser turbulentes Familienleben zu viert.

Aber ich kann es kaum erwarten, bis wir uns irgendwann alle eingegroovt haben, das Baby mehr lächelt als weint, der große Sohn wieder fünf Minuten im eigenen Spiel versinken kann, ich nicht mehr eine Stilleinlage nach der nächsten durchweiche, der Boden wieder öfter sauber, als voller Krümel und Flusen ist und wir so richtig angekommen sind.

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14 Kommentare

  • Antworten Susi 20. November 2018 um 10:36

    Kommt mir irgendwie bekannt vor. Auch bei uns startete das Leben der kleinen Schwester mit Neonatologie und Antibiotika. Allerdings hat sie trotz dieses Starts keinerlei Probleme mit Bauchschmerzen. Dafür hatte die große drei Monate lang schlimmstes Bauchweh, obwohl da kein Antibiotika im Spiel war. Ich denke, es ist ein Stück weit auch einfach Zufall, ob ein Baby unter Bauchweh leidet oder nicht. Ich drücke die Daumen, dass der kleine die schlimmen ersten Wochen mit dem Bauchweh bald hinter sich hat.

  • Antworten Pline 20. November 2018 um 10:52

    Sehr schöner Beitrag!
    .. Nur eine frage: warum drei Wochen zu dritt“? Müsste es nicht zu viert heißen oder steh ich auf dem Schlauch?

    • Antworten Ivy 20. November 2018 um 11:48

      Die erste Woche waren wir im Krankenhaus. Richtiges Familienleben zu viert gibt es erst seit drei Wochen. 🙂

      • Antworten Jana 20. November 2018 um 13:32

        Hahaha ja ich stolperte über den gleichen Punkt. Und trotzdem: ihr seid doch jetzt zu viert (die 3 Wochen ergeben sich ja aus deinem Text 🙂 )
        Ich drücke die Daumen, dass ihr diese schwere Startphase schnell hinter euch lassen könnt und lese ganz gespannt mit. Unser 2. Sohn soll in 8 Wochen kommen und ich denke, vieles von dem, was du schreibst, wird auch bei uns nicht anders sein.
        <3

  • Antworten Janina Steiner 20. November 2018 um 11:55

    Hallo Ivy!
    Danke für diesen sehr ehrlichen, intimen und herzerwärmenden Post.
    Ich lese deinen Blog sehr gerne, da ich das Gefühl habe, das dahinter eine Frau sitzt, die authentisch ist und das wahre Leben zeigt -perfekt unperfekt eben. Glücklich, traurig, hilflos, hoffnungsvoll, mutig, tapfer und voller Liebe für deine Homies! Dadurch fühle ich mich sehr mit dir verbunden, auch wenn wir uns gar nicht kennen. Wir sitzen im selben Boot! TSCHAKKAH 💪

    Ich wünsche dir und deiner Familie das Beste!
    Liebe Grüße von Mama zu Mama,

    Janina

  • Antworten Irina 20. November 2018 um 12:21

    Wunderbar. Genau so ist es. Unendlich schön und gleichzeitig so kräfteraubend dass man nur noch weinen möchte. Schön geschrieben. Als momentan selbst kranke zweifachmami mit krankem baby und energiegeladener 4 jährigen reicht die energie oft nur den tag bzw die noch schlechtere nacht zu überleben und trotzdem lächeln tanzen und singen wir und geben alles. Weil wir wissen wofür. Für das beste dass in unser Leben getreten ist.

  • Antworten Annick 20. November 2018 um 12:30

    Ach Ivy da möchte ich dich unbekannterweise einmal drücken und dir sagen, wie gut du das alles machst! Schön dass dein Mann und du ein so tolles Team seid und dass trotz dem anstrengendem Weinen und dem harten Start der Eindruck von so viel Liebe und Geborgenheit nach dem Lesen bleibt. Ich werde so langsam nach 7 Monaten mit Kind 1 Herrin über die Krümel und Flusen – vor einer Weile noch unvorstellbar. Ja und Hilfe annehmen kann ich nach etwas Überwindung auch, frage sogar danach. Das wünsche ich dir auch! Macht’s gut! Genießt die schönen Momente und viel Kraft für die anstrengenden. Liebe Grüße Annick

  • Antworten Sylvia 20. November 2018 um 13:14

    Liebe Ivy, ich fühle so mit dir – wir wurden ebenfalls am zweiten Lebenstag von der kuscheligen Geburtsstation auf eine Neonatologie verlegt und es war der Horror. Und nachdem wir endlich daheim waren, kam zwei Wochen später der Keim zurück oder ein neuer um die Ecke, wir wissen es nicht genau. Es war jedenfalls kritisch und für noch einmal fast zwei Wochen hatte ich wieder ein Baby, dem aus allen möglichen Körperteilen Zugänge und Kabel hingen. Ich habe lange gebraucht, um das zu verarbeiten, hatte das Gefühl, wir wurden um das Wochenbett betrogen und noch heute, fast drei Jahre später, geht mir das Thema nah. Ich wünsche dir, dass du die Krankenhauszeit schneller hinter dir lassen kannst und wollte dir noch die Empfehlung dalassen, die meine Hebamme mir damals gab, um den kleinen Babydarm ein bisschen zu päppeln: BiGaia-Tropfen. (Darf man das jetzt einfach so schreiben? Ansonsten: Werbung! :D)
    Liebe Grüße

  • Antworten Eva 20. November 2018 um 16:40

    Bei uns ist es gerade GENAU SO! Vor allem das mit dem „großen“ Bruder… tat das gut zu lesen! Alles Liebe für Euch, heute Abend hoffentlich nur mit wenig Kack-Mama-Feeling und ich bin ganz gespannt darauf, alles weiter mitzuverfolgen!

  • Antworten Linda 20. November 2018 um 17:47

    Liebe Ivy, mir kamen auch gleich die Tränen beim Lesen! Mein erstes Baby ist gerade 11 Wochen alt und ich habe mich vor ihrer Geburt für relativ cool gehalten. Seit sie da ist, haben meine Gefühle noch mal eine ganz neue Intensivität bekommen, so dass ich deine emotionale Achterban sehr stark nachempfinde. Ich bin ganz froh, dass sich mein Leben mit einem Baby gerade wieder eingegroovt hat, so dass ich viel Respekt vor der Situation mit dem zweiten Kind habe. Aber bei allem was ich hier bisher gesehen und gelesen hab, seid ihr eine so tolle Familie mit so viel Liebe und Achtsamkeit für einander! Eurer Großer kann gerade richtig viel Papazeit genießen und euer Kleiner wird so gut aufgefangenen! Ihr machr das großartig!

  • Antworten Steffi 20. November 2018 um 19:46

    Hallo ihr 4,
    schöner ehrlicher Post, den ich so gut nachempfinden kann. Mein Sohn wird nächsten Monat 5 Jahre und seine Schwester ist jetzt 4 Monate alt. An vielen Tagen fühle ich mich wie eine „Kackmama“, da ich keinem von Beiden gerecht werde. Mein Sohn lässt es uns gerade am Abend häufiger mit Wutanfällen spüren, dass er auch nicht immer zufrieden ist. Gerade am Abend fällt es mir oft schwer, die Kleine will in den Schlaf gestillt werden ohne Ablenkung und der Große will mit Mama kuscheln und den Tag Revue passieren lassen. Teilen geht leider nicht, zwei Arme ein Kopf.
    Oft überlagern dann die wenigen schlechten Momente die vielen guten des Tages.

  • Antworten Lina 21. November 2018 um 11:05

    Hey Ivy,
    ich sitz hier gerade mit Coffein und Sonnenschein auf einer Terrasse, sah den Link auf Instagram und habe es gerade richtig, richtig genossen deinen Beitrag zu lesen.
    Du hast den so nahbar, unaufgeregt, so ehrlich und ungeschönrt geschrieben– ich hab mich direkt so verbunden zu deinen Worten und Emotionen gefühlt, obwohl ich sie gar nicht kennen kann.
    Das war toll.

    Ich wünsche euch alles, alles Liebe nach Hamburg
    und ein wundervolles Noch-mehr-Ankommen miteinander <3
    Lina

  • Antworten Julia 21. November 2018 um 11:07

    Wie schoen ehrlich und verletzlich geschrieben. Ich war richtig in eure Welt transportiert als ich es heute auf meiner Fahrt zur Arbeit las. Also so, dass ich erstmal wieder klarkommen musste, wo ich gerade bin. Ich kann mir vorstellen wie verdammt hart es sich anfuehlen muss, wenn man das Gefuehl hat es reicht hinten und vorne nicht mit der Kraft und Liebe. Aber du machst das so so toll. Du bist eine Mama so voller Liebe, das ist fuer mich immer ganz klar zu sehen.

  • Antworten annlenaloves.com 29. November 2018 um 21:22

    Ein toller und sehr authentischer Blogbeitrag! Ich bin gerade mit meinem ersten Kind schwanger. Ich bin natürlich schon gespannt wie es nach der Schwangerschaft so verläuft .

    Liebe Grüße
    Annalena

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