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Baby Kolumne

Darf man fremde Kinder ungefragt anfassen?

Über Respektlosigkeit und das Überschreiten von Grenzen

1. November 2016
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Wer hat Babys und Kinder eigentlich zum Allgemeingut ernannt, das keine Grenzen hat die man überschreiten kann? Man selbst möchte doch auch nicht einfach ungefragt von Fremden angefasst werden oder den warmen Atem einer unbekannten Person im Gesicht spüren, weil sie einem plötzlich ins Blickfeld springt um einem unverständliches Zeug entgegen zu brabbeln. Auch Kinder haben, genauso wie wir, ein Recht darauf mit Respekt behandelt zu werden und das man ihren persönlichen Raum respektiert.

Im Sommer passierte es uns, dass eine wildfremde, ältere Frau am Bahnsteig plötzlich Jonahs nackte Füße anfasste, die aus dem Tragetuch herausguckten. Weil sie ja „so süß sind“, könne man ja einfach nicht widerstehen. Ich ärgere mich heute noch, dass ich der Frau nicht einfach über ihr Gesicht streichelte, weil ihre faltigen Wangen „ja so süß sind“. Gleiches passierte uns vor ein paar Wochen an einer roten Ampel. Wieder eine ältere Dame, die einfach ungefragt Jonahs Füße anfasste. Dieses Mal weil die bunten Socken ja „so süß seien“.

Weist man die Person darauf hin, dass man es keineswegs in Ordnung fand, was sie da gerade tat, wird mit Empörung und Unverständnis reagiert, schließlich sei es „ja bloß ein Kind“. Wo kommt die Annahme her, Kinder könnten nicht die gleichen Rechte haben wie Erwachsene, bzw. wie kann diese Meinung heute noch so fest in den Köpfen vieler Menschen verankert sein?

Ein Kind ist kein niedliches Tier, das einem über den Weg läuft und das man einfach streichelt. Und selbst da fragt man in der Regel zuerst den Besitzer ob man seinen Hund streicheln darf, oder wartet bei einer Katze, ob sie zu einem kommt und es erlaubt.

Und es geht nicht nur um das ungefragte Anfassen, sondern auch um das Eindringen in die Distanzzone. In der Bahn stand letztens plötzlich eine Frau mittleren Alters so nahe hinter mir, dass ihr Atem meinen Nacken streifte. Über meine Schulter hinweg fing sie an meinem Baby irgendetwas entgegen zu brabbeln und mit den Fingern herumzuwedeln. Jonah fing an zu quengeln. Wer würde das nicht tun, wenn plötzlich ein wildfremdes Gesicht vor einem auftaucht? Die Frau ist damit nicht nur meinem Kind zu nahe gekommen, sie hat auch meine Distanzzone missachtet. Und statt sich dafür zu entschuldigen, trieb sie die Situation auf die Spitze und schob das Quengeln natürlich auf die Trage, schließlich würden Babys darin ja ersticken.

Auch das ungefragte Hineingucken in Kinderwagen scheint für viele, vor allem bei der älteren Generation, vollkommen legitim zu sein. An der Ampel schnell man die Decke etwas zurück ziehen und das Kind anschauen. Da ist ja schließlich nichts dabei, man guckt ja nur. Ich komme doch auch nicht zu der Person ans Bett, ziehe die Decke zurück und starre ihr ins Gesicht. Am besten wacht es sich natürlich auf, wenn man plötzlich ein fremdes Gesicht vor einem hat.

Babys nehmen jeden Tag neue Eindrücke auf und müssen sie verarbeiten. Manchmal kann sogar ein Spaziergang bereits zu viel sein oder der Besuch der Großeltern. Ein fremdes Gesicht das plötzlich vor einem auftaucht oder die Berührungen einer fremden Person sind für viele Babys eine Reizüberflutung die sie kaum verarbeiten können.

So wie wir behandelt werden wollen, sollten wir auch mit anderen Menschen umgehen und das schließt Kinder und Babys nicht aus. Genauso wie erwachsene verdienen Kinder und Babys einen respektvollen Umgang

Daumen hoch für eines unser Nachbarskinder, das mich letztens höflich fragte, ob es mal das Baby angucken dürfte und dann ganz vorsichtig mit sicherheitsabstand Jonah in der Trage anlächelte. Oder das süße Mädchen vom großen Platz vor unserem Wohnhaus, das ganz liebt fragte, ob sie Jonah mal streicheln dürfte, sie hätte sich auch gerade die Hände gewaschen. So viel Respekt würde ich mir von vielen Erwachsenen ebenfalls wünschen.

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15 Kommentare

  • Antworten anon 1. November 2016 um 10:43

    thumbs up 🙂 stimme dir zu 100% zu!

  • Antworten Svenja 1. November 2016 um 12:06

    Ich sehe das genauso wie du, habe mich neulich erst darüber geärgert, dass ein befreundetes Paar sich auf das Kind einer Freundin gestürzt haben. Er war gerade erst angekommen und er hatte noch nicht mal Gelegenheit gehabt sich umzuschauen, der Raum war voller fremder Leute und das Pärchen sieht er auch nicht oft. Er hat dann angefangen zu weinen, seine Eltern haben nichts gesagt, vielleicht wollten sie nicht unhöflich sein. Ich habe ihn dann aber „befreit“, weil er mich gut kennt. Kaum saß er auf meinem Arm und konnte die Fremden in Ruhe beobachten, war er wieder fröhlich. Ich verstehe nicht, wie man so unsensibel sein kann, das hat mich richtig geärgert. Eigentlich sollte man solche Leute wirklich mal genauso bedrängen, damit sie verstehen, wie respektlos sie sich verhalten.

  • Antworten Jessica 1. November 2016 um 12:25

    Ich verstehe sowas auch nie, wenn ich sowas sehe oder davon lese. Ich fasse ja auch keine fremde Babys an oder Hunde, wieso sollte ich.

  • Antworten katja 1. November 2016 um 15:35

    Ja das ist unschön! Meine Frage in diesem Zusammenhang: Warum machst Du Deinen Sohn zu einer öffentlichen Person, wenn schon diese kleinen Gesten (so sehr diese auch nerven, sie sind meist nicht mit schlechter Intention, so meine Erfahrung) eine so schwerwiegende Grenzüberschreitung für Dich sind? Viele Grüße und alles Gute

    • Antworten Ivy 1. November 2016 um 15:53

      Ich finde es ist immer noch ein Unterschied ob eine wildfremde Person ungefragt meinen Sohn anfasst, oder ob ich bewusst und gut überlegt ausgewählte Fotos meines Kindes und Ausschnitte unseres Familienlebens teile. Zu dem Thema kommt aber noch ein eigener Post, dafür reicht er Platz in den Kommentaren nicht aus.

  • Antworten nadine 1. November 2016 um 21:37

    Ich finde du hast vollkommen recht. Ich mag es schon nicht wenn mich fremde oder locker bekannte Menschen anfassen. Und bei babies finde ich es auch unmöglich.

  • Antworten Katja 1. November 2016 um 23:08

    Liebe ivy, danke für deine Antwort. Bin gespannt was du zu dem Thema schreibst.

  • Antworten Maria K. 2. November 2016 um 9:30

    Auch ich gebe dir zu 100% recht. Hatte ebenso das Problem, dass eine ältere Dame an der Ampel, fasst von hinten in meine Trage gerutscht ist oder eine Kassiererin die Füße meiner kleine antatschte. Leider war ich in beiden Situationen echt zu schockiert, um etwas zu sagen. Allerdings war ich froh, dass Anna in beiden Situationen geschlafen hat. Ich verstehe diese Respektlosigkeit älterer Herrschaften auch nicht. Dieses Thema ist bei meinem Partner und mir, in letzter Zeit sehr häufig bitter aufgestoßen. Denn gerade diese Generation erhofft sich ja auch von uns Respekt ihrer Person gegenüber. Aber an den letzten beiden Beispielen, sieht man wieder, dass wir wenigstens bei der nächsten Generation wieder Hoffnung schöpfen können! 🙂

  • Antworten Der linkische Mittwoch - ° Verenas Welt °° Verenas Welt ° 2. November 2016 um 17:07

    […] Babys: Darf man fremde Kinder ungefragt anfassen? […]

  • Antworten Jessica 10. November 2016 um 16:59

    Oarr ich werde immer so wütend, wenn ich sowas lese oder höre und bin so froh, dass mir das noch nicht passiert ist. Ich würde zum Drachen werden. Süß, die kleinen Kinder <3

  • Antworten Anna 11. November 2016 um 18:57

    Selbst ohne Kinder bekomm ich da das Gruseln. Wie kommen die Leute darauf, dass sie fremde Babies anfassen dürfen?

  • Antworten Tharsa 13. Februar 2018 um 7:32

    Hallo,

    Ich finde nichts schlimmes daran. Ich selber habe 3 Kinder. Ich würde es jedoch sowas untersagen wenn mein Baby oder Kind unwohl fühlt.

  • Antworten Christian Käser 17. August 2018 um 23:51

    Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema und bin auf den Artikel gestossen. Es geht mir gerade umgekehrt. Ich finde es Schade, wie Kinder in der Schweiz und Deutschland distanziert behandelt werden. In Italien oder der Türkei wurden unser Kinder liebevoll und zuvorkommend behandelt und das beinhaltete auch ein Streicheln über den Kopf. Ich empfand das als sehr natürlich und authentisch. Was bitte schön könnte denn ein Baby empfinden wenn ihm eine fremde Person die Füsse anfasst? Wir wissen es nicht, genau. Im besten Fall Aufmerksamkeit von der Welt da draussen.

    • Antworten Ivy 18. August 2018 um 6:11

      Liebevoll mit Kindern umgehen bedeutet doch nicht, es einfach ungefragt anzufassen. Was spricht dagegen kurz mit den Eltern zu reden? Jedes Kind ist anders und reagiert verschieden. Meines hatte zum Beispiel einen sehr unruhigen und leichten Schlaf, als es noch sehr klein war. Wie es reagierte, als man es ungefragt am Fuß streichelte? Es ist aufgewacht und hat geweint. Ich bin einfach dafür, dass man auch so kleinen Menschen schon Respekt entgegen bringt und das bedeutet, dass ich nicht ungefragt anfasse oder meinen Kopf in den Kinderwagen stecke. Respekt hat auch viel mit Wertschätzung zu tun und man kann andere Menschen sehr gut wahrnehmen und liebevoll behandeln, wenn man mit ein bisschen Respekt dem anderen gegenüber fragt ob es okay ist, ihn zu berühren. Wir wurden und werden in Deutschland oft angelächelt und angesprochen und mein Kind freut sich dabei oft riesig. Man kann Aufmerksamkeit auf so viele Wege zeigen.

      • Antworten P. 1. Juli 2019 um 11:46

        Ich bin immer im Zwiespalt wenn ich darüber nachdenke und lese. Meine kleine ist bald 5 Monate. Vor der Geburt war ich mir sicher das ich es auch so handhaben möchte. Keiner fasst mein Kind an ohne zu fragen usw. . Jetzt finde ich es toll, ältere Damen die Glücklich sind so ein kleines Wesen zu sehen. Ich erlebe wie dankbar sie oft sind wenn ich einfach kurz stehen bleibe, sie meiner kleinen ein Lächeln zuwerfen. Gerade in der Trage fühlt sie sich geschützt von mir. Mein Baby kann nicht entscheiden was es möchte oder nicht, daher verlässt es sich voll auf mich. Und ich hab mich dazu entschieden mich zu entspannen. 😉
        Ich möchte offen dafür sein das sich andere Menschen, welche aus welchen Gründen auch immer keine Kinder/Enkelkinder haben, sich einfach ein paar Sekunden mit uns über unser Wunder freuen.
        Merke ich das sie sich nicht wohlfühlen, oder ich weil ich merke die Menschen riechen extrem zum Beispiel nach Rauch, sage ich ganz offen das ich nicht möchte das sie ihr zu nahe kommen oder sie anfassen. Ich sage ganz ehrlich warum. Weil sie gerade am einschlafen ist, ich nicht möchte das sie so klein in Kontakt mit Nikotin kommt, usw… Einfach die Wahrheit. Oder ich gehe natürlich einfach weiter nach einem Hallo.Und bis jetzt war es immer in Ordnung für mein Gegenüber. Ich wünsche mir eine Welt in der man aufeinander acht gibt. Ehrlich sein darf. Daher hab ich beschlossen, meinen Kind den Schutzraum zu bieten den es braucht und trotzdem die Freude über mein kleines Baby-Wunder zu teilen. Mit offenen Augen für unsere Mitmenschen. Es tut so gut!

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