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Baby

Das vierte Zähnchen

Eine kleine Geschichte vom Zahnen

4. April 2017

Es ist 4:28 Uhr, eigentlich erst 3:28 Uhr. Heute wurden die Uhren umgestellt. Du bist wach, erst tobst du gut gelaunt durchs Bett, wühlst dich durch unsere Kissen, erzählst uns von deiner Nacht. Dann ist plötzlich alles doof, aus deinem erzählen wird meckern, dann weinen. Stillen magst du nicht, der Mann im Mond, die Katze auf dem Dach, auch nicht die kleine Schnecke und der Käfer muntern dich auf, singen hilft heute nicht. Wir tragen dich erst durch das Schlafzimmer, dann durch die Wohnung. Du weinst so bitterlich und wir fühlen uns so hilflos. Wir gucken uns mit dir das Bücherregal an, deine Spielsachen, fassen den magischen Fenstergriff an, der sonst immer alle Krokodilstränen trocknet, aber heute nur ganz ganz kurz für eine kleine Verschnaufpause sorgt.

Papa kocht Kaffee, ich schaue mit dir aus dem Fenster auf den großen Platz. Auf der anderen Seite erhellen sich nach und nach drei Fenster in der Dunkelheit. Da bekommt sicher auch gerade jemand Zähnchen. Dein Weinen wird ein leises Schluchzen, das ganz versiegt, als der Nachbar mit seinem Hund an unserem Fenster vorbei spaziert. Du guckst mich mit großen Augen an und dann, ganz kurz, lächelst du. Und an der Stelle neben deinem dritten Zahn, die gestern noch ganz rot war, blitz eine kleine weiße Spitze hervor. Jeden Tag wird sie jetzt ein Stückchen weiter hervorkommen und aus deinem so süßen zahnlosen Babylächeln, wird langsam das strahlen eines Kleinkindes, dass mit seinen Zähnchen Spuren in meinem Butterbrot hinterlässt. Die Tränchen sind getrocknet als wir deinem Papa deinen vierten Zahn zeigen.

Du bist so stark und so tapfer. Ich würde dir so gerne jeden Schmerz ersparen. Ich weiß gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn neue Zähne kommen. Hast du auch schon wieder vergessen, wie weh es eben tat? Mir fällt nur das Kribbeln ein, das mich immer durchfuhr, wenn ein Milchzahn wackelte, am seidenen Faden hing und man immer wieder daran zuppelte, sich aber doch nicht traute ihn mit einem Ruck ganz zu lösen. Aber daran wollen wir noch gar nicht denken. Erstmal liegen vor uns noch ein paar weitere Nächte, in denen wir zusammen aus dem Fenster gucken und erzählen was wir sehen, bis aus dem Weinen wieder ein Lächeln wird und ein weiterer kleiner Milchzahn Platz in deinem Mund gefunden hat.

Während ich meinen Kaffee trinke und du beim Stillen in meinem Arm friedlich einschläft, geht die Sonne auf.

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2 Kommentare

  • Antworten Irina 6. April 2017 um 23:02

    Liebe Ivy,
    es ist einfach so wunderschön geschrieben!
    Besonders die Spuren der kleinen Zähnchen in deinem Butterbrot 🙂
    Wir warten gerade auf den ersten Zahn und auch hier wird aus dem Fenster geguckt, wenn er drückt und zieht. Bald ist es wohl so weit!

    Mögen alle weiteren Milchzähnchen ganz im Frieden kommen!

    • Antworten Ivy 7. April 2017 um 19:43

      Vielen lieben Dank. Ich drücke dir (und uns) die Daumen, dass alle weiteren Zähnchen wirklich in Frieden kommen. <3

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