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#coolmomsdontjudge | Schluss mit dem Mom-Shaming

Für mehr Toleranz und Respekt im Club der Mütter

8. Juni 2018
#coolmomsdontjudge | Schluss mit dem Mom-Bashing | Für mehr Toleranz und Respekt im Club der Mütter
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Mit dem Baby im Arm dachte ich, dass ich jetzt im Club der Mütter sei, in dem sich alle unterstützen und füreinander da sind. Machen wir doch schließlich alle ähnliche Erfahrungen, wollen das Beste für unsere Kinder und sind am Ende des Tages meist gleich müde. Aber scheinbar habe ich mir die Club-Beschreibung nicht richtig durchgelesen.

Seit mein Babybauch sich das erste Mal deutlich von einem Foodbaby unterschied, scheine ich plötzlich alles falsch zu machen, was man so falsch machen kann. Mein Bauch war anderen zu klein und zu groß, ich habe mich selbst für die einen zu sehr für mein ungeborenes Baby zurückgenommen, weil ich in der Schwangerschaft kaum mehr auf Partys von Freunden ging, sondern lieber um 20 Uhr eingeschlafen bin, für die anderen war es unverantwortlich, dass ich mit Baby im Bauch zur Hochzeit von Freunden nach Madrid flog. Ich habe und lasse gerade wieder alle 8 Wochen einen Ultraschall bei meiner Frauenärztin machen, was für einige Mütter Kindesverletzung ist und andere finden es unverantwortlich, dass ich die Vorsorgetermine im Wechsel bei einer Hebamme habe und nicht alle vier Wochen beim Frauenarzt eine Ultraschalluntersuchung machen lasse.

Ich stille dem einen mit 22 Monaten zu viel, dem anderen zu wenig, im Familienbett schläft unser Sohn natürlich noch bis er 18 Jahre alt ist und danach vermutlich auch noch und Peppa Wutz und die Sendung mit dem Elefanten zeigen natürlich, dass ich als Mutter keine Zeit mit meinem Kind verbringen möchte und wir keine tiefe Bindung haben. Und reden wir gar nicht erst darüber, dass mein Kind mit etwas über einem Jahr in die KiTa kam. Viel zu früh und viel zu spät und überhaupt können Kinder sich nur dann richtig entwickeln, wenn sie zuhause betreut werden.

Es ist egal was ich mache oder eben nicht, es ist irgendwem zu viel und dem anderen zu wenig. Wer mir nicht ins Gesicht sagt, dass ich eine schreckliche Mutter bin, der tuschelt hinter vorgehaltener Hand und mustert mich missbilligend von oben bis unten, weil ich mein Kind im Tragetuch durch die Weltgeschichte trage oder im Kinderwagen zum Einkaufen schiebe.

Ja, ich weiß, viele meinen ihre Ratschläge oder verwunderten Blicke und Fragen sicher nicht böse, aber ein „Wie, du stillst noch immer? Also wir haben schon vor Monaten abgestillt. Kinder brauchen das doch gar nicht mehr in dem Alter.“ hinterlässt auch nach mehrmaligem Hören nicht das Gefühl den richtigen Weg eingeschlagen zu haben oder vom Gegenüber in seinem Tun unterstützt zu werden.

Respekt und Toleranz

Es müssen nicht alle einer Meinung sein, den gleichen Weg gehen oder alle Ansichten teilen. Ich sehe und mache Dinge schließlich auch anders, als viele Mütter in meinem Umfeld. Aber wir sollten es nicht raushängen lassen wenn wir der Meinung sind, nur unsere Art mit Kindern umzugehen sei die richtige. Bevor wir den Mund aufmachen, egal ob in der Bahn oder unter einem Foto auf Instagram, sollten wir erstmal tief durchatmen und überlegen, ob das was wir sagen oder schreiben wollen uns selbst nicht schrecklich weh tun würde.

Wenn eine Mutter abstillen möchte oder dem Moment entgegen fiebert, egal ob nach wenigen Monaten oder nach einigen Jahren, dann muss ich sie nicht blöd anmachen, ihr von den Vorteilen des Stillens erzählen um ihr ein schlechtes Gewissen zu machen oder überheblich davon erzählen, dass ich das niemals denken oder tun würde und einfach die Zähne zusammenbeiße, weil ich ja das Beste für mein Kind will. Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder und wir wissen nicht in welcher Situation die andere Mama ist, wie es ihr geht und was ihre Beweggründe sind. Und das ist nur eines der etlichen Beispiele, die mir fast jeden Tag online und offline begegnen.

Im Club der Mütter fehlt Toleranz, Respekt und das Einfühlungsvermögen anderen Müttern gegenüber, dass wir doch unseren Kindern gegenüber eigentlich alle besitzen sollten. Und was sind wir für Vorbilder für unsere Kinder, wenn wir untereinander nicht einmal freundlich bleiben können? Austausch ist wichtig, Diskussionen bringen uns neue Ansichten, aber bitte alles im richtigen Ton und wenn wir das nicht können, dann sollten wir uns unseren Kommentar einfach verkneifen.

#coolmomsdontjudge

Hinter dem Hashtag #coolmomsdontjudge verbirgt sie die Kampagne von Löwenzahn Organics entstanden. und den zwei Gründerinnen Liz Sauer Williamson und Carmen Lazos Wilmking, die Babynahrung herstellen um andere Mamas zu unterstützen. Beides coole Mamas mit zusammen fünf Kindern und genug eigenen Erfahrungen mit blöden Kommentaren. Sie haben eine repräsentative Forsa-Befragung von 1.010 Müttern in Auftrag gegeben, die ein ein trauriges Ergebnis zeigt.

77 % der Befragten Mütter, also mehr als drei von vier Frauen gaben an, dass sie schon einmal für den Umgang mit ihrem Kind kritisiert wurden und ganze 72 % davon fühlten sich deshalb schon mal als eine schlechte Mutter. Dafür wünschen sich 86 % der Mütter mehr Toleranz und Unterstützung von Müttern untereinander. Und genau dafür will Löwenzahn Organics mit ihrerer Kampagne und zusammen mit uns sorgen.

#coolmomsdontjudge | Schluss mit dem Mom-Shaming | Für mehr Toleranz und Respekt im Club der Mütter | forsa Umfrage von Löwenzahn Organics

Schluss mit dem Mom-Shaming

Eigentlich ist es ja ganz leicht. Wir sollten uns manchmal einfach unseren Kommentar verkneifen. Den kann man dann gerne im Nachhinein mit der besten Freundin beim Kaffee „diskutieren“, aber der betreffenden Mama nicht einfach ins Gesicht schmettern ohne ihre Hintergründe zu kennen oder darüber nachzudenken, was unser Kommentar bei ihr auslöst. Diskussionen sollten immer mit Respekt geführt werden und nur dann, wenn wir mehr zu sagen haben als: „Mein Weg ist der richtige, deiner der falsche.“.

Es sind die kleinen Gesten im Alltag, die uns Müttern gut tun. „Kann ich dir etwas abnehmen?“ statt „Bei euch sieht es aus, als hätte der Blitz eingeschlagen“ kann Wunder bewirken. Genauso wie ein Lächeln in der Bahn, wenn eine Mama mit einem Kind auf dem Arm verschwitzt und erschöpft in den Wagon hechtet. Bei einem Trotzanfall im Supermarkt kann man Fragen ob es okay ist das Kind abzulenken, statt missbilligend zu gucken oder einen unpassenden Spruch abzulassen und auf dem Spielplatz hat mich letztens eine andere Mama gerettet, als mein Sohn seinen Bärenhunger verkündete und sich auf dem Boden warf, ich aber vollkommen verplant nichts eingepackt hatte. Sie hat uns mit ein paar Keksen ausgeholfen und den Tag gerettet. Den bösen Keksen mit Zucker.

Wir müssen akzeptieren, dass es tausend Wege gibt, nicht nur unseren und das wir alle verschieden sind, niemals perfekt und das das vollkommen okay ist. Schluss mit dem Mom-Shaming.

Lächelt andere Mamas an, reicht Feuchttücher, wenn sich ein fremdes Kind von oben bis unten mit Schokoeis eingesaut hat, auch wenn ihr gegen Zucker in den ersten Jahren seid und sagt einer Mama einfach mal, dass sie einen echt guten Job macht, so wie sie ihn macht. Unter #coolmomsdontjudge könnt ihr euren Senf dazu geben, natürlich mit Rezept und Toleranz. 😉 Auf Instagram, Facebook oder Twitter freuen wir uns über jeden Beitrag, der dazu beiträgt, etwas mehr Liebe und Verständnis in den Club der Mütter zu bringen.

#coolmomsdontjudge | Schluss mit dem Mom-Shaming | Für mehr Toleranz und Respekt im Club der Mütter

*Dieser Beitrag enthält Werbung und ist in Kooperation mit Löwenzahn Organics entstanden.

Baby Familienbett Familienleben Kleinkind Kolumne Stillen

Was Attachment Parenting für mich bedeutet

Unser Weg der bindungs- und bedürfnisorientierten Elternschaft

3. September 2017
Was Attachment Parenting für mich bedeutet | Unser Weg der bindungs- und bedürfnisorientierten Elternschaft | ivy.li

Gerade geht ein Artikel um in dem Attachment Parenting als Selbstaufgabe der Eltern bezeichnet wird und der einen Weg in ein so schlechtes Licht rückt, der eigentlich so schön, leicht und voller Liebe sein kann. Um zu zeigen, dass Attachment Parenting nichts mit Selbstaufgabe zu tun hat, sondern mit Liebe und Selbstfürsorge hat Susanne Mierau auf ihrem Blog geborgen wachsen zu einer Blogparade aufgerufen. Und weil mich die eine Mama aus dem Nebeneingang immer noch wie einen Alien ansieht, wenn ich ihr erzähle, dass unser Kind noch immer nicht im eigenen Bett mit der Milchflasche in der Hand einschläft mache ich mit und teile mit euch unseren Weg der bindungsorientierten Elternschaft.

Was bedeutet Attachment Parenting eigentlich? Die 7 Baby-Bs

Der Begriff Attachment Parenting stammt vom amerikanischen Kinderarzt William Sears und beschreibt eine Erziehungslehre die auf der Bindung zwischen Eltern und Kind und das Vertrauen in sich selbst, die eigenen Instinkte und die Kompetenz des Babys basiert. Eckpfeiler seiner Lehre sind die 7 Baby-Bs die nicht als starre Regeln, sondern als Hilfsmittel für eine eine bindungsorientierte Elternschaft gesehen werden sollten.

Birth Bonding (Bindung nach der Geburt durch Haut-an-Haut-Kontakt )
Breastfeeding (Stillen nach Bedarf)
Babywearing (Das Tragen des Kindes in Tuch oder Tragehilfe)
Bedding close to baby (Das gemeinsame Schlafen im Familienbett)
Belief in the language value of your baby’s cry (Glaube an die Signale des Babys)
Beware of baby trainers (Vorsicht vor Babytrainern)
Balance and boundaries (Gleichgewicht und Grenzen)

In unserem Familienleben setzten wir alle Bs um. Wir gehen auf die Bedürfnisse unseres Kindes ein, Tragen, Stillen und schlafen im Familienbett und achten auch auf das Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen aller Familienmitglieder und das Wahren von eigenen Grenzen.

Was bedeutet Attachment Parenting für mich?

Attachment Parenting hat keine starren Regeln, uns werden Hilfsmittel in die Hand gelegt die uns dabei unterstützen können ein liebevolles Familienleben zu führen, unser Kind in einer geborgenen Umgebung aufwachsen zu lassen und ihm für sein Leben die Sicherheit mitzugeben, diese Geborgenheit immer wieder bei uns und in sich selbst zu finden.

Attachment Parenting bedeutet für mich in erster Linie eines, nicht müssen. Unser Kind muss nicht lernen alleine einzuschlafen und muss nicht lernen durchzuschlafen. Es muss nicht noch vor den ersten eigenen Schritten eine hohe Frustrationstoleranz erlernen, nur weil später im Leben nicht immer die Sonne scheint. Es muss nicht jetzt Beikost essen, weil man das eben jetzt so macht. Es muss einfach nicht. Und auch wir Eltern müssen nicht. Wir müssen nicht vor der Kinderzimmertür ausharren bis das Kind weinend eingeschlafen ist, weil es lernen muss, dass wir nicht immer da sind, denn wir sind immer da. Wir müssen uns nicht an Beikostpläne halten, weil sie jemand erstellt hat, denn wir glauben daran, dass unser Kind essen wird, wenn es essen mag. Und wir müssen auch nicht hart bleiben, wenn wir eigentlich weich sind. Wir müssen einfach nicht.

Attachment Parenting bedeutet für mich können. Wir alle können uns in unserem eigenen Tempo entfalten und in einer geborgenen Umgebung wachsen. Sowohl unser Kind, als auch wir Eltern. Denn auch wir wachsen mit jedem neuen Tag. Und wir alle wachsen jeden Tag weiter zusammen.

Selbstfürsorge statt Selbstaufgabe

Attachment Parenting bedeutet bindungs-, bzw. bedürfnisorientierten Elternschaft und das bedeutet, dass wir auf die Bedürfnisse von uns allen eingehen. Sowohl auf die des Kindes, als auch auf die von uns Eltern. Pflege ich mich nicht selbst, gebe mich selbst auf, kann ich nicht in dem Maße auf Bedürfnisse meines Kindes eingehen, wie es eigentlich nötig ist. Selbstfürsorge ist daher für mich ein wichtiger Eckpfeiler von Attachment Parenting. Und nur weil wir auf die Bedürfnisse unseres Kindes eingehen, heißt das nicht, dass es keinen Platz mehr für unsere Bedürfnisse gibt.

Ja, natürlich gibt es Zeiten in denen die Bedürfnisse des Kindes weit über unseren stehen und wir unsere zurückstellen. Wie gerne hätten wir in den ersten Monaten ein bisschen mehr geschlafen, aber das Kind hatte so viel, was es verarbeiten musste und das ging nur in unseren Armen. In unseren müden und ungewaschenen Armen. Aber wie in jeder innigen Beziehung ist man für den anderen da, wenn er einen braucht. Vielleicht definiere ich Selbstaufgabe anders, aber mich temporär an zweite Stelle zu setzen um für jemanden da zu sein der mich braucht, ist für mich keine Selbstaufgabe.

Wir Eltern finden in unserem Familienalltag immer Raum und Zeit um etwas für uns zu tun. Und oft gibt uns erst Attachment Parenting die Möglichkeit dazu.

Wie wir Attachment Parenting leben

Können und nicht müssen bedeutet, dass wir selbst für uns festlegen welcher Weg am besten zu uns und unseren Bedürfnissen passt. Was sich für uns nicht gut anfühlt, ist nicht das richtige für uns.

Wir schlafen gemeinsam im Familienbett weil es für uns alle der leichteste und angenehmste Weg ist um Nachts genug erholsamen Schlaf zu bekommen. Wir schlafen eben alle nicht gerne alleine.

Wir stillen auch noch nach 14 Monaten, denn für unser Kind ist Muttermilch nicht nur Nahrung, es ist auch so viel mehr. Stillen ist Zeit für uns, Trost wenn die Tränchen nicht trocknen wollen, Einschlafhilfe, wenn der Tag so aufregend war oder der Traum so aufwühlend. Und Stillen ist für uns als Eltern einfach der entspanntere Weg. Wir müssen nicht ständig Flaschen und Pulver bei uns haben, Nachts muss niemand aufstehen und Unterwegs verzweifeln wir nicht, wenn wir kein heißes Wasser haben.

Die ersten Monate haben wir fast ausschließlich getragen, im gesamten ersten Jahr waren Tragetuch und Babytrage weitaus öfter im Einsatz als der Kinderwagen. Getragen werden tat und tut nicht nur unserem Kind gut, das viel Nähe braucht und fordert, es tut auch uns gut. Mein Mann nimmt noch jetzt lieber unser Kleinkind in die Trage, als den Kinderwagen zu nehmen. Er genießt die Nähe zu unserem Kind, die ihm Tagsüber durch den Arbeitsalltag fehlt. Und wir haben die Hände frei.

Das gemeinsame Schlafen, Tragen und Stillen, all das stärkt die Bindung zu unserem Kind und gibt uns Eltern gleichzeitig Zeit und Raum um für uns selbst zu sorgen.

Wir bekommen nachts oft alle genug schlaf, weil niemand lange Wege gehen muss um bei dem anderen zu sein. Wird Nähe gebraucht ist sie da. Wacht unser Kind Nachts auf weil es Hunger oder Durst hat, oder weint es weil ein Traum oder die Dunkelheit angsteinflößend sind, dann öffne ich bloß meine Arme und halte oder stille und wir schlafen gemeinsam wieder ein, oft noch bevor wir wirklich wach waren.

Wir müssen nicht am Bett ausharren und warten bis unser Kind endlich von alleine einschläft, wir legen uns zusammen hin und oftmals finde ich in diesen Momenten Zeit um den Tag revue passieren zu lassen, zu entspannen und kurz abzuschalten. Manchmal lese ich oder schreibe auf, wie gerade jetzt, was mich beschäftigt. Ja, es gibt auch Phasen in denen mein Kind mich auch im Schlaf braucht, aber dann nutze ich die Zeit um selbst zu schlafen, zu lesen oder ein Hörbuch zu hören. Es folgt immer wieder eine Phase in der ich nach der Einschlafbegleitung wieder aufstehen kann um dieses oder jenes zu tun. Sowohl Nachts als auch Tagsüber.

Durch das Tragen sind wir viel flexibler. Wir kommen leichter und schneller von hier nach dort, wir können Dinge erledigen und gleichzeitig die Nähe geben, die das Kind braucht. Ich habe in den ersten Monaten den Haushalt immer mit Kind im Tuch erledigt, war stundenlang spazieren mit einem Buch in der einen und einem Kaffee in der Hand, während das Kind an mich gekuschelt schlief. Mein Mann und haben Händchen gehalten und waren gemeinsam Essen, während unser Sohn in Trage und Tuch entspannte, was ihm im Kinderwagen oder abgelegt auf einer weichen Decke oft nicht gelang.

Wir lassen unser Kind entscheiden wann es bereit ist zu Essen und sich abzustillen. Dadurch geben wir ihm die Möglichkeit selbst auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören und sie zu erkennen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit die uns später immer mehr Freiraum gibt. Und dieser Weg lässt uns als Eltern auch viel entspannter sein. Wir müssen uns nicht an Pläne halten, setzten uns alle nicht unter Druck. Ich muss nicht extra für das Kind kochen, denn er isst mit uns mit und wenn er partout nicht mag, dann stille ich ihn. Ich schleppe keine Tausend Gläschen mit, nur das was ich selbst auch auf langen Ausflügen gerne snacke und teile mir mit meinem Kind Wassermelone und Blaubeeren. Ich muss meinem Sohn nicht mühsam beibringen wie es nach der Breizeit selber isst, er lernt es von anfang an bei uns. Und ich muss auch keine Machtkämpfe austragen, weil das Kind einfach nicht seinen Mund für den Karottenbrei aufmachen will.

Wir geben uns allen die Möglichkeit uns selbst zu entfalten.

Geben und Empfangen

Immer wenn ich etwas gebe, bekomme ich etwas zurück. Schenke ich Liebe und Geborgenheit erreicht auch mich Liebe und Geborgenheit. Bin ich für den anderen da, wird auch er es für mich sein. Natürlich wiegt mich mein Kind noch nicht in den Schlaf, wenn ich es bin, die Nachts einfach nicht zur Ruhe kommt, aber ich merke immer öfter wie unser Sohn seine eigene Selbstständigkeit entdeckt, weil wir ihn lasse, ihm vertrauen und ihm die Sicherheit geben, dass er sich frei entfalten kann und wir ihn dabei unterstützen. Mit jedem kleinen Stück mehr seiner Selbstständigkeit bekommen wir ein bisschen mehr Freiheit. Eine in der wir uns keine Gedanken machen müssen.

Ich bin mir sicher, dass mein Kind im Laufe seines Lebens auf unsere Bedürfnisse und die von anderen achten wird, weil wir seine Bedürfnisse achten und ihm Achtsamkeit vorleben.

Passend zum Thema hat Susanne einen weiteren Artikel über die verschiedenen Richtungen und deren Begriffe geschrieben, welche Vor- und Nachteile es hat einen „Erziehungsstil“ einen Namen zu geben.

Kolumne

Du bist nicht dick genug um über den After Baby Body zu reden

Über Bodyshaming und Ausgrenzung, zu viel Rücksichtnahme und Fishing for compliments

27. Juli 2017
After Baby Body | Mombody | Mama | Körper | Postpartum | Geburt | Schwangerschaft | Bauch | Dellen

Letzte Woche schrieb ich in meinem Artikel After Baby Body über druckaufbauende und vollkommen falsche Ideale und über eine Gegenbewegung die ausgrenzt. Und neben wirklich vielen großartigen Kommentaren, persönlichen Geschichten und weiteren Denkanstößen werfen mir doch tatsächlich Frauen vor, dass ich nicht genug Kilos auf die Waage bringe, nicht genug Dellen habe, oder zu wenig Dehnungsstreifen am Bauch habe um mich zu diesem Thema äußern zu dürfen.

Du bist nicht dick genug um dich über falsche Körperideale aufzuregen

Genau das ist ein Teil dieser Gegenbewegung die ausgrenzt und von der ich im Artikel schrieb. Ich darf mich nicht zum Club der starken Frauen und Mütter zählen die gegen ungesunde und zu dünne Ideale rebellieren, weil mein Körper noch zu sehr an den Idealen dran ist. Ich habe wohl die Angabe des Mindestgewichts übersehen. Unter 100 Kilo darfst du das kranke Körperbild nicht kritisieren, das die Medien uns eintrichtern. Keine Dehnungsstreifen am Bauch? Ne, sorry, dann bist du keine echte Mom die für die Akzeptanz von allen Mamakörpern kämpfen darf. Deine Dellen gehen nur bis zum Knie? Also du darfst erst deinen Körper zeigen und dich für die Liebe zum eigenen Körper einsetzten wenn sie auch darunter sind. Und überhaupt, die sind ja gar nicht tief genug!

Klingt dumm, oder? Aber so ticken ganz schön viele Frauen. Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass wir von Außen so unter Druck gesetzt werden, mit unseren eigenen Körper kämpfen, nein, wir werden auch von denen angefeindet, die neben uns stehen sollten.

#bodypositifity, aber bitte nur, wenn du ganz viel body bist

Bei solchen Kommentaren fällt es einem schwer zu glauben dass da Frauen für mehr Selbstliebe kämpfen. Nein, da schreiben Frauen unfaire Kommentare weil sie sich selbst nicht in ihren Körpern wohl fühlen und ihr Wohlbefinden einzig und alleine daraus ziehen, dass ihre Körper Symbol einer Gegenbewegung sind und das wollen sie sich auf gar keinen Fall von Frauen nehmen lassen die in ihren Augen näher am Ideal sind. What? Die ist dünner als ich. Ne, die darf auf gar keinen Fall mitspielen.

Die eigene Liebe zum Körper darf feiern und laut in die Welt schreien wer mag, egal wie die Körper dazu aussehen. Auch Frauen ohne offensichtliche Gewichtsprobleme oder Makel hadern mit sich selbst, kämpfen mit sich selbst. Und dürfen und sollen laut in die Welt schreien wenn sie den gesellschaftlichen Druck hinter sich gelassen haben und mit sich selbst in Reinem sind. Denn in einer Gesellschaft in der genau das zur Seltenheit geworden ist sollten wir alle unterstützen und feiern die es geschafft haben.

Fishing for compliments

Boah, die hat ja gar kein Übergewicht, weniger Streifen als ich, etc. die will doch bloß Komplimente bekommen. Nein, will ich nicht. Nicht für meinen Körper, für mein Aussehen. Ja, natürlich sind Komplimente schmeichelhaft, wer hört sie nicht gerne? Aber darum ging es mir nicht, als ich meinen Körper zeigte, über Selbstliebe, verquere Ideale und einen Kampf der Körper schrieb.

Aber diesen dummen Kommentar bekomme ich öfter zu hören. Vollkommen egal ob ich mal an mir herum mäkel, weil ich einen fetten Pickel im Gesicht habe und Augenringe bis zu den Kniekehlen, oder ob ich schreibe, dass ich mich mag, so wie ich bin.

Kein eigener Kampf, keine Recht auf Selbstliebe

Für die einen bin ich nicht dick genug um mitreden zu dürfen, für die anderen hatte ich zu wenig mit meiner Psyche zu kämpfen. Essstörung? Ja, aber die war sicher nicht so krass wie meine! Du darfst erst darüber schreiben wie toll es ist sich endlich selbst zu lieben und wie wichtig es ist, wenn du uns auch bewiesen hast, dass du wirklich mal ganz ganz tief unten in einem dunklen Loch gesteckt hast. Sonst hast du ja gar keine Ahnung davon was es bedeutet mit sich selbst zu kämpfen.

Mal ganz davon abgesehen dass es niemanden etwas angeht wie tief das Loch ist in dem jemand steckte oder steckt, es spielt keine Rolle. Jeder empfindet seinen Kampf als wichtig, intensiv und schwer, ganz egal ob er in den Augen anderer bloß Pipifax ist. Es geht nicht darum was alle um einen herum denken, sondern was man selbst fühlt.

Bitte etwas Rücksicht nehmen

Ich soll doch bitte mehr Rücksicht nehmen auf die, die sich noch nicht selbst lieben können. Mein Text würde diese Menschen genauso unter Druck setzen wie dünne Models und gertenschlanke Mütter.

Selbstliebe ist der Urzustand. Damit kommen wir auf die Welt. Damit das so bleibt braucht es eine Gesellschaft um uns herum die genau das lebt, damit wir nicht vom Weg abkommen, uns von den Medien verunsichern und beeinflussen lassen und am Ende uns selbst als nicht genug ansehen, als fehlerhaft.

Ja, natürlich übt es einen gewissen Druck auf vor Augen geführt zu bekommen dass wir Vorbilder sind, dass wir mitverantwortlich dafür sind, dass unsere Kinder sich selbst so wie sie sind lieben und das niemals vergessen. Und das wir nur das vorleben und weitergeben können was wir auch selbst verinnerlicht haben. Und ja, es ist überhaupt nicht angenehm gesagt zu bekommen, dass wir mit uns selbst ins reine kommen müssen, wenn wir eigentlich gerade nichts an uns gut finden.

Aber Druck ist nicht gleich Druck. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Druck falschen und ungesunden Vorstellungen zu entsprechen um dazuzugehören und dem, etwas eigentlich vollkommen natürliches und gesundes beizubehalten, vorzuleben und weiterzugeben. Das ist wie mit dem Rauchen und Nichtrauchen. Eine coole Gang kann einen unter Druck setzten, dass man nur Mitglied sein darf, wenn man raucht. Mit dem Rauchen wieder aufzuhören obwohl man doch super cool dabei aussieht und es mag, weil es gesundheitsschädlich ist, ja sogar tödlich sein kann, setzt einen ebenfalls unter Druck. Trotzdem würde hier kaum mehr einer sagen, dass man nicht über die negativen Eigenschaften des Rauchens reden darf, weil das ja Leute unter Druck setzt.

Natürlich ist es alles andere als leicht sich selbst zu lieben wenn man schon so weit davon entfernt ist, aber nirgends mit dem Thema konfrontiert zu werden macht es nicht leichter.

Es allen Recht machen

Wenn ich auf jede Gruppe Rücksicht nehme, auf jeden Aspekt genauestens eingehe, auf alle und jeden Rücksicht nehme, mich für alles rechtfertigen muss, dann kommt am Ende ein nichtssagender Text zustande, weich gewaschen, ohne Fokus, Meinung und Message. Dann kann man genausogut einfach nichts sagen und jeder kocht seine eigene Suppe im Stillen.

Ich habe mir bei dem Text über den After Baby Body eigentlich schon viel zu viele Gedanken darüber gemacht niemanden zu doll auf dem Schlips zu treten und trotzdem kamen vollkommen unnötige und teilweise wirklich verletzende Kommentare.

Ich kann und möchte es gar nicht allen Recht machen. Ich habe eine Meinung und die vertrete ich. Ich habe etwas zu sagen und das sage ich. Meine Texte sind durchdacht, meine Worte stehen manchmal wochenlang in einem Dokument bevor ich sie veröffentliche, sie sind gut überlegt und natürliche versuche ich sie so zu wählen, dass ich niemanden verletzte. Aber das geht scheinbar nicht. Ich schreibe über das Stillen und es fühlen sich Frauen angegriffen, die nicht stillen können. Ich trage ein feministisches T-Shirt das ausdrückt, dass Männer nicht über Geburtenkontrolle zu bestimmen haben und bekomme ermahnende Nachrichten, weil es ja auch Frauen ohne Uterus gibt und die sich durch das T-Shirt verletzt fühlen. Ich schreibe über Selbstliebe und werde angegriffen, weil ich es in den Augen einiger leichter habe mich selbst zu lieben als sie sich selbst.

Was ich aus all dem hier für ein Lehre ziehe? Ich denke nicht mehr ganz so viel über die potenziellen Leute nach, die ich mit meinen Texten irgendwie aufregen könnte. Regt euch ruhig auf, schreibt mir bitterböse Mails, Nachrichten und Kommentare. Ich lösche sie einfach und blocke euch. Ich diskutiere gerne mit euch, wenn ihr konstruktive Kritik habt, aber ich muss mich nicht angreifen und verletzten lassen.

After Baby Body | Bodyshaming | Instagram Stories ivymaedchen

Ungefilterte Gefühlsausbrüche, positive wie negative, gibt es natürlich in den Instagram-Stories. Ein ganz hervorragendes Ventil.

Kolumne

After Baby Body

Wie uns Ideale und Gegenbewegungen unter Druck setzen und ausgrenzen

19. Juli 2017
After Baby Body | Mamakörper nach der Geburt | Körpergefühl | Schönheitsideale |

Ich habe keinen After Baby Body, ich habe einen Ab-dem-Wunsch-ein-Kind-zu-bekommen-und-zwar-jetzt-Body. Um ganz genau zu sein habe ich eine vollkommen anderes Verhältnis zu meinem Körper und meinem Gewicht, ein anderes Körpergefühl, seit mein Mann und ich den Wunsch nach einem Kind laut äußerten. Der akute Wunsch ein Kind zu bekommen gab mir die Möglichkeit meinen Körper ganz anders und neu wahrzunehmen und eine liebevolle Beziehung zu ihm aufbauen zu können.

Warum ich meinen Körper liebe

Mit 55 Kilo fühlte ich mich dick und hässlich. Mein Körper war nichts weiter als das, was andere von mir sehen und bewerten konnten und den es stets zu optimieren galt. Heute wiege ich gut 9 Kilo mehr und liebe meinen Körper, denn ich weiß jetzt, dass er so viel mehr ist. Mein Körper hat einem wundervollen Menschen das Leben geschenkt und nährt ihn jeden Tag, lässt ihn wachsen, stark und gesund sein. Mein Körper ist ein Zuhause, nicht nur meines, eines das ich mir mit der Liebe meines Lebens teile. Er gibt Geborgenheit und Wärme. Mein Körper hat ein Wunder vollbracht und dafür liebe ich ihn. Ganz egal wie weich er ist, wie viele Dellen er hat und wie schwer er ist.

Ideale und Gegenbewegungen – Ein Körper-Krieg

Ich fühle mich nicht von schlanken und durchtrainierten Müttern unter Druck gesetzt und auch eine Kleidergröße mehr stürzt mich nicht in einen Abgrund aus dem ich mich nur heraushungern kann. Trotzdem geht mir der Begriff After Baby Body auf den Sack und der ganze Zirkus drumherum. Ich will nicht in Zeitschriften und im Internet lesen wie ich am besten meine Babypfunde loswerde und schnell wieder aussehe wie vorher. Ich will nicht, dass die Ansicht verbreitet wird, ein Mamakörper wäre nicht perfekt so wie er ist. Ich will nicht, dass starke Frauen auf weiche Bäuche und Dehnungstreifen degradiert werden, die wegoptimiert werden müssen.

Wenn Hashtags wie #afterbabybody und #mombodygoals durch das Internet wabern will ich keine Sixpacks sehen, keine Bäuche die sich leicht nach innen wölben und straffe Brüste die der Schwerkraft trotzen. Ich will aber auch nicht, dass gerissene Bäuche und hängende Brüste als der einzig wahre #mombody gefeiert werden. Denn genauso wie der Wahn um einen Körper ohne jegliches Gramm Fett ein vollkommen falsches Körpergefühl verbreitet, wird Müttern die in der Genlottery gewonne haben, beim Stillen mehr ab als zunehmen, eben einfach ganz fix wieder schlank sind und keine „Tigerstreifen“ haben das Gefühl gegeben nicht zum Club der starken Mütter zu gehören. Es werden Körper aus der einen und anderen Richtung glorifiziert und vergessen, dass wir alle verschieden und trotzdem richtig sind. So wie wir eben sind. Und uns wird die Möglichkeit genommen, der Weg dahin erschwert uns genauso wie wir eben sind zu lieben und zu akzeptieren.

After Baby Body als Synonym für ein druckaufbauendes Körperbild und eine dogmatische Gegenbewegung

Unseren Körpern Hashtags zu geben, sie als Symbol für eine Bewegung zu nutzen, egal ob mit Sixpack oder Dehnungsstreifen, lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf die wundervolle Vielfalt die es gibt und die wir feiern sollten, sondern zeigt uns die Unterschiede als Makel, setzt unter Druck oder grenzt aus. Es ist wie ein Krieg zwischen makellosen Idealen und der gestreiften Gegenbewegung in der nur dünne Models und Dehnungsstreifen auf weichen Bäuchen gewinnen und die Liebe für den eigenen Körper verloren geht.

Nein, natürlich ist ein Hashtag nicht das Problem und ja, er kann einer ganz tollen Bewegung zu mehr Sichtbarkeit verhelfen und Menschen verbinden, aber er kann genauso gut und laut Texten, Bildern und Einstellungen eine Bühne geben, die ein falsches Bild verbreiten. Zum Beispiel eines von dünnen und dicken Mamas, die eben nur ganz dünn und sportlich oder weich mit Tigerstreifen gut sind.

After Baby Body | Ich liebe meinen Körper | Körpergefühl |

Für mich war und ist der Kinderwunsch, die Schwangerschaft und das Muttersein mein persönlicher Ausstieg aus einer krankhaften Beziehung zu meinem Körper, meinem Gewicht und der Nahrungsaufnahme. Ich fühle mich wohl in meiner Haut und bin in mir angekommen. Dass mich der Druck den gängigen Idealen zu entsprechen, schön für andere zu sein und mich stetig optimieren zu müssen so lange im Griff hatte, oft meinen Alltag bestimmte und mich mehr als einmal in einen Abgrund warf ist erschreckend, aber kein Einzelfall. Ich bin nicht alleine damit. Auch wenn immer mehr Frauen jenseits der Kleidergröße 36 Titelseiten von Hochglanzmagazinen schmücken wird ein paar Seiten dahinter eine neue Diät angepriesen, die einem innerhalb von keiner Woche locker 3 Kilo abnehmen lässt. Denn es verkauft sich gut. In unseren Köpfen hat sich ein Körperbild manifestiert das nicht mehr gesund ist und das wir bewusst oder unbewusst füttern wollen.

Wir sollten ein Vorbild sein

Wir leben in einer Gesellschaft in der bereits krankhafte Ansichten wie ein Frauenkörper auszusehen hat Mädchen eingebläut wird, noch bevor sie überhaupt Frauen sind. In der Grundschule mobben sich Kinder gegenseitig aufgrund von Gewicht und Körperform. Die Idole unser Kinder sind Teenager die bei Modelcastings mitmachen oder auf Youtube Detoxprodukte anpreisen. Im Kinderfernsehen wird abwertend über dicke Leute gesprochen und vor dem Spiegel nennt sich Mama zu fett. Sogar in der Sandkiste wird darüber diskutiert ob das kleine Krabbelbaby nicht vielleicht Abends eine Flasche Wasser statt Milch bekommen sollte, weil es auf der Gewichtskurve im Vorsorgeheft ganz oben an der Linie kratzt.

Nein, wir können nicht von jetzt auf gleich die Welt verändern und von heute auf morgen ein Körperbild aus unseren Köpfen verbannen, das uns schon so lange eingebläut wird, aber wir können an uns arbeiten und ein Vorbild sein. Unsere Kinder, schon die ganz kleinen, saugen alles von uns auf. Worte, Gesten, Einstellungen und Ansichten. Wir leben ihnen vor, was sie später vielleicht selbst leben werden. Die Mama vor dem Spiegel die sich zu dick findet und es nicht nur denkt, sondern zeigt und sagt, gibt ihrem Kind weiter, dass etwas mehr zu viel ist. Dass Mamas Körper, obwohl er doch so heiß und innig geliebt wird, nicht richtig ist. Mit kleinen und großen Worten und unseren Handlungen zeigen wir unseren Kindern was richtig und was falsch ist. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, was wir für Einstellungen weitergeben wollen und bedachter unseren Alltag mit Kind bestreiten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir jetzt jeden Tag Eis essen sollen um dann gemeinsam mit unsere Kindern immer runder werdende Bäuche zu streicheln. Zu einem gesunden Umgang mit dem eigenen Körper und einen respektvollen Umgang mit denen der anderen sollten wir nicht nur auf unsere Worte achten und darauf wie wir auf bestimmte Körperformen reagieren, sondern wir sollten auch zeigen was es bedeutet gesund zu leben. Neben Bewegung, und nein, dass muss nicht gleich Leistungssport bedeuten, gehört auch eine gesunde Ernährung und ein gesunder Umgang mit Essen. Ich war und bin es ab und an immer noch, ein Langeweilesser und ein Frustesser, genauso wie ich sehr lange den Verzicht auf Essen als eine Bestrafung sah, die ich verdient habe. Ich möchte diese Einstellung zum Essen auf gar keinen Fall an mein Kind weitergeben. Essen soll genauso wenig Belohnung, oder Trost sein, wie der Verzicht darauf eine Bestrafung.

After Baby Body | Körpergefühl | gesunde Wahrnehmung | Vorbild sein

Sich selbst lieben und trotzdem etwas ändern wollen

Sich im eigenen Körper wohl fühlen bedeutet nicht, dass man nicht auch das Bedürfnis verspürt etwas ändern zu wollen. Ich fühle mich in unser Wohnung zuhause, bin angekommen und liebe sie und trotzdem gucke ich immer mal wieder nach einer größeren Wohnung oder überlege einen neuen Esstisch zu kaufen. Sich selbst lieben bedeutet nicht, dass man nie wieder an sich arbeitet oder sich nicht verändern darf.

Mein Mann ist sportlich, sehr sogar. Er betreibt einen Leistungssport. Und während er morgens ein gesundes Frühstück isst, trinke ich bloß einen Kaffee mit viel Milch und vergesse auch gerne mal Mittags etwas richtiges zu essen. Und ich merke wie ich immer mehr einroste. Vor drei Jahren lief ich noch Abends meine 14 Kilometer um die Alster und die Kanäle, heute spaziere ich zwar locker 15.000 – 20.000 Schritte am Tag, aber komme beim Treppensteigen in den vierten Stock um Pakete abzuholen ordentlich aus der Puste. Ich kann zwar gut und gerne für ein paar Stunden mein 10 Kilo Kind durch die Weltgeschichte tragen, aber nach zwei Liegestützen ist Schluss. Das ärgert mich, denn ich weiß wie es vorher war. Ich möchte also wieder mehr Sport und eine gesunde Ernährung in mein Leben integrieren. Das hat in erster Linie nichts mit meinem Körper und meinem Gewicht zutun, wird beides aber beeinflussen.

Und man kann sich natürlich auch unabhängig von gängigen Schönheitsidealen unwohl fühlen. Ein dicker Bauch kann eine Belastung sein, nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Viel Gewicht mit sich herumtragen kann die Gelenke in Mitleidenschaft ziehen, vielleicht findet man aber auch mit sehr großen Brüste irgendwann einfach keine schöne Unterwäsche mehr oder möchte irgendwann so gerne mal wieder ohne rumlaufen, ohne dass sie sich unangenehm beim Herunterhängen anfühlen. Ja, es gibt da eine Hose im Schrank in die ich wirklich gerne wieder passen möchte und im Urlaub rieben zum ersten Mal meine Oberschenkel ganz unangenehm aneinander, als ich im Bikini durch die Gegend spazierte. Das war nicht schön und ich möchte das ändern. Und nicht jeder verbindet mit einem weichen Bauch eine schöne Schwangerschaft. Wir sollten bei dem Wunsch nach Veränderung nur niemals vergessen für wen wir uns ändern möchten und warum. Es geht immer um unser eigenes Wohlbefinden, nicht um das Entsprechen eines von Medien propagierten Ideals.

Warum wir unsere Körper lieben sollten

Ob man sich in der eigenen Haut wohlfühlt oder nicht, sollte nicht von der Meinung anderer abhängig sein. Das bedarf natürlich Selbstsicherheit, Vorbildern und optimalerweise auch einer Gesellschaft in der keine ungesunden Körperbilder und Einstellungen propagiert werden.

Wir sind Mamas, verdammt starke Frauen und Vorbilder, denn wir leben unseren Kindern unser Körpergefühl vor und geben es weiter. Wir sollten uns in unserer Haut wohlfühlen und alle unterschiedlichen Körper feiern und lieben. Und ich rede nicht von der Liebe zum eigenen Körper weil andere ihn schön finden, weil er einem Schönheitsideal entspricht, oder weil er vielleicht Protest gegen gängige Ideale ist, sondern weil wir in ihm angekommen sind.

Baby Kolumne

Nun bist du schon ein Jahr alt

Ein Brief an mein kleines großes Kind

15. Juni 2017
Nun bist du schon ein Jahr alt | Ein Brief an mein kleines großes Kind

Mein geliebtes Kind,

du liegst in meinen Armen, stillst entspannt an meiner Brust, deine dunklen Äuglein fallen immer wieder zu bis sie ganz geschlossen bleiben und du eingeschlafen bist. Du bist schon so groß geworden. Deine Füße berühren bereits den Boden wenn du auf meinem Schoß liegst und sie sind ganz sandig, weil du die Welt jetzt immer öfter mit großen und kleinen Schritten erkundest. Seit heute bist du kein Baby mehr, du bist ein Kleinkind. Heute bist du schon ein Jahr bei uns, bereicherst unser Leben, bist ein Teil von uns, ohne den wir nicht mehr sein wollen. Du zeigst uns jeden Tag wie wundervoll das Leben ist, wie viel Glück in den kleinen Dingen liegt und das Liebe immer weiter wächst.

Ich möchte keinen einzigen Moment missen, denn jeder mit dir ist wertvoll und einzigartig. Auch wenn wir manchmal alle müde sind und wir abwechselnd weinen, auf jede Träne folgt ein Lachen, das alle Tränchen trocknet.

Danke, dass wir dich auf deinem Weg begleiten dürfen, miterleben dürfen wie du so vieles zum aller ersten Mal machst und zum tausendsten mal, bis du es perfektioniert hast. Danke, dass du dir uns als deine Familie ausgesucht hast, dass wir deine Eltern sein dürfen und du unser Kind bist.

Durch dich habe ich einen neuen Teil meiner selbst entdeckt und bin mit dir zu einem anderen Menschen geworden. Meine Welt dreht sich um dich, um dein Lachen und Lächeln, deine kleinen Finger, mit denen du mir die kleinste Staubkörner reichst, deine kleinen Füße, die die Welt entdecken wollen, deinen kleinen Bauchnabel der ganz bestimmt der perfekteste der Welt ist und um deine wunderschönen Augen, die so aufmerksam die Welt beobachten und mehr zu sehen scheinen als meine.

Ich freue mich auf jeden Tag und jede Nacht mit dir, auf jeden einzelnen Augenblick, auf all die großen und kleinen Dinge die noch vor uns liegen. Ich werde dich immer begleiten und an deiner Seite sein, wenn du mich brauchst. Ich trage dich so weit wie meine Füße uns bringen, halte sicher deine Hand auf deinen Entdeckungsreisen, lasse sie los, wenn du dich selbst erproben willst und reiche sie dir, wenn du wieder Halt brauchst. In meinen Armen wird immer Platz für dich sein um dir Sicherheit zu geben, Geborgenheit und Liebe.

Du bist ein großartiger und wundervoller Mensch und dich aufwachsen zu sehen und Teil deines Lebens sein zu dürfen ist das größte Geschenk. Ich liebe dich unendlich und bedingungslos und ich freue mich auf all die Abenteuer und Wunder die vor uns liegen.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Geburtstag.

Deine Mama

Kolumne

Hallo Selbstzweifel

Das Baby im Alltagstrubel

23. Mai 2017
Hallo Selbstzweifel | Bin ich eine Rabenmutter? | Das Baby im Alltagstrubel

In den letzten Wochen war ich mit der kleinen Avocado auf ein paar Veranstaltungen. Hier einen neuen Kinderwagen auf dem Markt angucken, da andere Mamablogger kennenlernen und Workshops besuchen und dort die neuen Räumlichkeiten einer Agentur einweihen. Mal Tagsüber und sogar einmal Abends. Mal mit mehr, mal mit weniger anderen Leuten. Wir machen das eigentlich ganz gut. Auf den Wegen von einer zur anderen Veranstaltung schläft der Sohn meistens in der Trage, die Gastgeber sind in der Regel auf Kinder eingestellt und es wuselt nicht nur ein Kind zwischen den Beinen umher und wenn sich eine Mama mal etwas genauer angucken möchte trägt auch gerne jemand anders ein fremdes Baby. Und ziemlich oft ist die liebe Anna Julia von LUYA Kids am Start und betreut die Kleinen mit ganz viel Liebe und Seifenblasen. Es ist also nicht so als würde ich mit dem Wuselkind in eine kinderunfreundlichen Erwachsenenwelt hereinbrechen. Und trotzdem komme ich mir manchmal dabei vor wie eine schreckliche Rabenmutter.

Der Babysohn ist sehr aktiv. Er sitzt nie still da und guckt sich alles an, er will alles anfassen, entdecken und erobern. Auch wenn er ausgeschlafen ankommt, dauert es keine Stunde bis er wieder müde wird. Natürlich wird dann nicht geschlafen. Auch zuhause nicht, egal wie ruhig die Umgebung ist und wie gemütlich es in Mamas Armen beim Stillen sein kann. Er fängt also an zu quengeln. Nicht durchgehend, aber immer dann, wenn er gerade mal wieder merkt, dass etwas nicht mehr so gut klappt. Müde geht eben alles nicht mehr so leicht und manchmal sogar gar nicht. Und er hängt sehr an mir. Mal ist es auf dem Arm einer anderen Frau länger schön, mal nur ganz kurz und irgendwann sind auch die Seifenblasen nicht mehr so spannend und dann muss man ganz ganz schnell zurück in Mamas Arme. Das sagt man natürlich am besten mit den dicksten Krokodilstränen. Er ist 11 Monate alt und Entdecken geht am besten wenn Mama ganz nah ist. Das ist normal, ich weiß.

Aber wenn ich dann so dastehe, umgeben von glücklichen Kindern und entspannten Frauen und mein Kind weder auf meinem Arm (zu langweilig) noch auf dem Boden (zu weit weg von Mama) sein will und meckert, dann zweifle ich daran ob es wirklich so eine gute Idee war mit ihm das Haus zu verlassen. Nicht, dass es bei uns daheim anders gelaufen wäre, aber trotzdem denke ich dann, dass es vielleicht eben doch anders gelaufen wäre. Wie das halt so ist. Ich zweifle an mir und meinen Entscheidungen. Ich zweifle an mir als Mama.

Ich schwanke zwischen der Angst dem Kind zu viel zugemutet zu haben und dem Glauben daran das Richtige zu tun ihn an meinem Alltag, unseren Alltag aktiv teilnehmen zu lassen. Oder ist das purer Egoismus, weil ich einfach mit meinem Leben weiter machen möchte? Hallo Selbstzweifel, da seid ihr ja wieder.

Es ist ja nicht so, dass ich ihn dann einfach weinen lasse, oder deshalb sogar wütend werde. So ein Quatsch. Ich nehme ihn in den Arm, tröste und bespaße. Und wenn ich merke das es gar nicht mehr geht, dann gehen wir. Aber ich gehe eben nicht schon gleich beim ersten Meckern oder der ersten Runde auf Mamas Arm um die Tränchen zu trocknen.

Ganz tief in mir weiß ich, was ich meinem Kind zutrauen kann und wann es zu viel wird. Und trotzdem bin ich manchmal unsicher. Weil, ja warum eigentlich? Es ist ja nicht mal so, dass die anderen Leute um uns herum mir böse Blicke zuwerfen, heimlich tuscheln oder mir sagen, ich sei eine schlechte Mutter. Ganz im Gegenteil. Meistens sind um uns herum ganz tolle Frauen und Mamis die das meckernde Kind hochheben, ihm etwas neues, cooles zum spielen geben, versuchen das erste Schluchzen gleich wegzutrösten und mich anlächeln, wenn ich unseren Kleinen in einer ruhigen Ecke versuche zu trösten, oder zu stillen. Und die mir danach wieder anbieten mir nochmal eine Limo zu holen und sie ganz in Ruhe zu trinken, während sich wieder eine liebe Frau um den Sohn kümmert.

Warum zum Teufel habe ich trotzdem weiterhin immer wieder das Gefühl eine ganz böse Rabenmutter zu sein?

Zuhause bleiben ist auch eigentlich gar keine Option, denn dann werde ich irgendwann einfach grummelig und eine grummelige Mama soll der Kleine auch nicht haben. Meine schlechte Stimmung überträgt sich auch auf ihn. Meine Unsicherheit aber auch.

Boah! Ich muss echt mal ganz tief durchatmen.

Baby Kolumne

Hilfe, hilfe, ich bin so müde, aber schlafen will ich nicht

Wenn alle schlafen wollen, nur das Baby nicht

9. Mai 2017
Hilfe, hilfe, ich bin so müde, aber schlafen will ich nicht | Wenn alle schlafen wollen, nur das Baby nicht | 46-Wochen-Schub

Vor knapp vier Wochen krabbelte der Sohn plötzlich rückwärts vom Bett. Und vom Sofa. Von einem Tag auf dem anderen hat er verstanden, dass man nicht mit dem Kopf voran von Sachen herunter klettert, sondern mit den Füßen zuerst. Seitdem kann er nicht nur selbst in unser Bett steigen, sondern auch wieder heraus. Das trägt ungemein dazu bei, dass wir alle entspannter sind. Man muss nicht mehr darauf achten, dass er der Bettkante zu nahe kommt. Jetzt kann man das Schlafzimmer verlassen und darauf warten, dass er einem glücklich hinterherkrabbelt. Rückwärts von Dingen herunter klettern, bedeutet auch rückwärts krabbeln können, das kann er jetzt also auch. Er gehörte nämlich zu den Kindern, die von anfang an vorwärts robbten und krabbelten. Also lernte er jetzt zwei Dinge auf einmal.

Keine Woche später stand das Baby plötzlich. Nicht an irgendetwas dran, dass kann er schon eine ganze Weile, sondern einfach so, mitten im Raum. Erst geht er in die Hocke, dann steht er. Zu Beginn hielt er sich kaum eine Sekunde auf den Beinen, jetzt bleibt er schon viel länger stabil stehen. Er lässt auch immer öfter die Dinge los, an denen er sich hochgezogen hat. Man sieht ihm an, dass das noch nicht genug für ihn ist. Er will weiter. Der Babysohn will gehen. Und das nicht an irgendetwas entlang. Frei gehen ist sein Ziel. Aber das klappt einfach noch nicht so, wie er es gerne möchte. Also übt er. Immer. Auch dann, wenn er schläft. Wenn er denn schläft.

Unser Baby ist immer in Action. Das kennen wir schon. Kurz mal still sitzen und etwas länger angucken oder sich mal an Mama und Papa lehnen um etwas auszuruhen ist nicht sein Ding. Das war okay, schließlich gab es ja Frühstücks- Mittags- und Nachmittagsnickerchen. Kurz andocken, einschlafen und wieder mit neuer Energie weiter machen.

Aber jetzt hat der Sohn Hummeln im Po. In kurzer Zeit hat er so viel neues gelernt und das will er perfektionieren und gleich noch etwas hinterher legen. Schlaf nimmt ihm wertvolle Zeit, in der eher vielleicht etwas verpassen könnte. Und jetzt wo Arme und Beine etwas können, wollen die Muskeln es so oft wie möglich wiederholen. Das geht natürlich nicht wenn man entspannt und still in Mamas Armen liegen soll. Also wird gezappelt und gedreht und gewendet, heruntergerutscht und wieder hochgekrabbelt, aufgestanden und hingeplumst. Und dabei gejammert. Denn nach zwei Stunden Ausdauersport, anders kann man die Aktivitäten des Sohnes nicht beschreiben, ist der Körper müde und auch der Geist braucht eine kleine Pause um alles verarbeiten zu können.

Wir sind ja im Team Einschlafstillen. Das klappte bis jetzt auch hervorragend. Die Wunderwaffe um zu entspannen und einzuschlafen. Und unterwegs snoozelte das Baby gerne in der Trage ein. Aber jetzt? Nö. Einfach nur Nö. Im Bett nebeneinander liegen und stillen funktioniert gar nicht mehr. Der Sohn liegt dann für zwei Sekunden an der Brust, dann dreht er sich auf den Bauch, der Po geht in die Höhe, die Füße werden in die Matratze gestemmt und plötzlich steht er, nur noch der Kopf ist unten, schließlich will er die Brust eigentlich nicht loslassen. Und dann prescht er nach vorne um sich an die Wand zu stellen. Oder legt den Rückwärtsgang ein um vom Bett zu steigen. Also stillen wir jetzt wieder im Arm. Läuft aber auch nicht wirklich besser. Manchmal windet er sich wie eine kleine Raupe von mir runter, krabbelt etwas rückwärts und ist dann schlecht gelaunt, weil die Brust nicht mitgekommen ist. Dann fällt er mit offenem Mund auf die Brust, nimmt zwei Züge und macht weiter Action, bis er wieder jammert, weil ihm die Brust fehlt und er müde ist. Festhalten ist keine Option. Mal ganz davon abgesehen, dass er wirklich stark ist, niemand entspannt sich, wenn man ihn festhält und darum geht es ja eigentlich bei der ganzen Sache.

Wenn er denn mal in meinen Armen liegen bleibt, dann machen seine Beine einen Spagat in der Luft, ein Fuß wird immer wieder in mein Gesicht gehalten und wenn seine Füße nackig sind, lacht er sich mit dem Nippel in der Brust kringelig, wenn er den großen Zeh in meinen Mund schiebt.

Bis der Babysohn schläft, können Stunden vergehen. Falls jetzt jemand denkt, dass er vielleicht gar nicht müde ist, doch doch, ist er. Sehr sogar. Die Augen werden gerieben, die Haare gerauft, Lachen wechselt sich mit Quengeln ab. Aber ganz kurz an der Brust sein gibt ihm noch mal einen kleinen Powerschub, den er immer wieder ausnutzt um noch mal Aufzudrehen. Es ist auch vollkommen egal in welchem Stadium der Müdigkeit er mit mir ins Bett geht. Leise erzählen und ein kleines Schlaflied (wirkten sonst immer echt gut) bringen ihn auch nicht mehr runter. Alles was bis jetzt half, hilft nicht mehr. Wir sind auch schon Abends zu einem Spaziergang mit dem Kinderwagen aufgebrochen, weil uns nichts mehr einfiel und er ab und an darin einschläft. Nach einer Stunde kamen wir mit einem vollkommen überdrehten Baby wieder nach hause. Auch in der Trage oder im Tuch kommt er kaum zur Ruhe. Erst werden die Arme oben herausgestreckt, dann hüpft er auf und ab, beugt sich zu beiden Seiten fast komplett heraus und guckt und zappelt.

Und wenn der kleine Sohn endlich schläft, dauert es nicht lange bis er sich plötzlich einfach hinsetzt, meistens noch mit geschlossenen Augen und noch gar nicht richtig wach. Und wenn man nicht schnell genug ist und ihn in den Arm nimmt, krabbelt er einfach los oder stellt sich hin. Dann ist er natürlich so wach, das an ein schnelles wiedereinschlafen nicht mehr zu denken ist.

Ich weiß, das ist alles nur eine Phase, ein Schub und vermutlich ist es von heute auf morgen wieder weg und er schläft wie eine Eins, aber gerade komme ich wirklich an meine Grenzen. Ich bin müde. So müde. Ich nicke teilweise beim Einschlafstillen ein und schrecke von seinem Zeh in meinem Mund wieder auf. Aber die Müdigkeit ist gar nicht das Schlimmste. Ich merke, wie ich an Geduld verliere. Ab und an, nach einer Stunde Zubettbringen, schnell aus dem Zimmer schleichen um mal Pipi zu machen und noch auf der Toilette hören wie das Baby wieder wach ist und meckert, weil es doch eigentlich schlafen will, kratzt an meinen Nerven. Manchmal hilft tief durchatmen gar nicht mehr, da muss ich selbst kurz weinen, bevor ich wieder eine entspannte Einschlafbegleiterin bin. Ich würde ihm so gerne erklären, dass es mit ein bisschen Schlaf viel leichter fällt neue Dinge zu lernen. Ein bisschen neue Energie bewirkt Wunder. Aber ich kann nichts machen als ihn immer wieder in den Arm zu nehmen, leise zu flüstern, dass jetzt Zeit ist um die müden Augen auszuruhen und Armen und Beinen, die so viel leisten, eine Pause zu gönnen.

Wenn ich anhand der Intensität dieses Schubes auf eine neue Fähigkeit schließen müsste, würde ich übrigens darauf tippen, dass das Baby demnächst an Wänden hochgehen kann.