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Hallo Selbstzweifel

Das Baby im Alltagstrubel

23. Mai 2017
Hallo Selbstzweifel | Bin ich eine Rabenmutter? | Das Baby im Alltagstrubel

In den letzten Wochen war ich mit der kleinen Avocado auf ein paar Veranstaltungen. Hier einen neuen Kinderwagen auf dem Markt angucken, da andere Mamablogger kennenlernen und Workshops besuchen und dort die neuen Räumlichkeiten einer Agentur einweihen. Mal Tagsüber und sogar einmal Abends. Mal mit mehr, mal mit weniger anderen Leuten. Wir machen das eigentlich ganz gut. Auf den Wegen von einer zur anderen Veranstaltung schläft der Sohn meistens in der Trage, die Gastgeber sind in der Regel auf Kinder eingestellt und es wuselt nicht nur ein Kind zwischen den Beinen umher und wenn sich eine Mama mal etwas genauer angucken möchte trägt auch gerne jemand anders ein fremdes Baby. Und ziemlich oft ist die liebe Anna Julia von LUYA Kids am Start und betreut die Kleinen mit ganz viel Liebe und Seifenblasen. Es ist also nicht so als würde ich mit dem Wuselkind in eine kinderunfreundlichen Erwachsenenwelt hereinbrechen. Und trotzdem komme ich mir manchmal dabei vor wie eine schreckliche Rabenmutter.

Der Babysohn ist sehr aktiv. Er sitzt nie still da und guckt sich alles an, er will alles anfassen, entdecken und erobern. Auch wenn er ausgeschlafen ankommt, dauert es keine Stunde bis er wieder müde wird. Natürlich wird dann nicht geschlafen. Auch zuhause nicht, egal wie ruhig die Umgebung ist und wie gemütlich es in Mamas Armen beim Stillen sein kann. Er fängt also an zu quengeln. Nicht durchgehend, aber immer dann, wenn er gerade mal wieder merkt, dass etwas nicht mehr so gut klappt. Müde geht eben alles nicht mehr so leicht und manchmal sogar gar nicht. Und er hängt sehr an mir. Mal ist es auf dem Arm einer anderen Frau länger schön, mal nur ganz kurz und irgendwann sind auch die Seifenblasen nicht mehr so spannend und dann muss man ganz ganz schnell zurück in Mamas Arme. Das sagt man natürlich am besten mit den dicksten Krokodilstränen. Er ist 11 Monate alt und Entdecken geht am besten wenn Mama ganz nah ist. Das ist normal, ich weiß.

Aber wenn ich dann so dastehe, umgeben von glücklichen Kindern und entspannten Frauen und mein Kind weder auf meinem Arm (zu langweilig) noch auf dem Boden (zu weit weg von Mama) sein will und meckert, dann zweifle ich daran ob es wirklich so eine gute Idee war mit ihm das Haus zu verlassen. Nicht, dass es bei uns daheim anders gelaufen wäre, aber trotzdem denke ich dann, dass es vielleicht eben doch anders gelaufen wäre. Wie das halt so ist. Ich zweifle an mir und meinen Entscheidungen. Ich zweifle an mir als Mama.

Ich schwanke zwischen der Angst dem Kind zu viel zugemutet zu haben und dem Glauben daran das Richtige zu tun ihn an meinem Alltag, unseren Alltag aktiv teilnehmen zu lassen. Oder ist das purer Egoismus, weil ich einfach mit meinem Leben weiter machen möchte? Hallo Selbstzweifel, da seid ihr ja wieder.

Es ist ja nicht so, dass ich ihn dann einfach weinen lasse, oder deshalb sogar wütend werde. So ein Quatsch. Ich nehme ihn in den Arm, tröste und bespaße. Und wenn ich merke das es gar nicht mehr geht, dann gehen wir. Aber ich gehe eben nicht schon gleich beim ersten Meckern oder der ersten Runde auf Mamas Arm um die Tränchen zu trocknen.

Ganz tief in mir weiß ich, was ich meinem Kind zutrauen kann und wann es zu viel wird. Und trotzdem bin ich manchmal unsicher. Weil, ja warum eigentlich? Es ist ja nicht mal so, dass die anderen Leute um uns herum mir böse Blicke zuwerfen, heimlich tuscheln oder mir sagen, ich sei eine schlechte Mutter. Ganz im Gegenteil. Meistens sind um uns herum ganz tolle Frauen und Mamis die das meckernde Kind hochheben, ihm etwas neues, cooles zum spielen geben, versuchen das erste Schluchzen gleich wegzutrösten und mich anlächeln, wenn ich unseren Kleinen in einer ruhigen Ecke versuche zu trösten, oder zu stillen. Und die mir danach wieder anbieten mir nochmal eine Limo zu holen und sie ganz in Ruhe zu trinken, während sich wieder eine liebe Frau um den Sohn kümmert.

Warum zum Teufel habe ich trotzdem weiterhin immer wieder das Gefühl eine ganz böse Rabenmutter zu sein?

Zuhause bleiben ist auch eigentlich gar keine Option, denn dann werde ich irgendwann einfach grummelig und eine grummelige Mama soll der Kleine auch nicht haben. Meine schlechte Stimmung überträgt sich auch auf ihn. Meine Unsicherheit aber auch.

Boah! Ich muss echt mal ganz tief durchatmen.

Baby Kolumne

Hilfe, hilfe, ich bin so müde, aber schlafen will ich nicht

Wenn alle schlafen wollen, nur das Baby nicht

9. Mai 2017
Hilfe, hilfe, ich bin so müde, aber schlafen will ich nicht | Wenn alle schlafen wollen, nur das Baby nicht | 46-Wochen-Schub

Vor knapp vier Wochen krabbelte der Sohn plötzlich rückwärts vom Bett. Und vom Sofa. Von einem Tag auf dem anderen hat er verstanden, dass man nicht mit dem Kopf voran von Sachen herunter klettert, sondern mit den Füßen zuerst. Seitdem kann er nicht nur selbst in unser Bett steigen, sondern auch wieder heraus. Das trägt ungemein dazu bei, dass wir alle entspannter sind. Man muss nicht mehr darauf achten, dass er der Bettkante zu nahe kommt. Jetzt kann man das Schlafzimmer verlassen und darauf warten, dass er einem glücklich hinterherkrabbelt. Rückwärts von Dingen herunter klettern, bedeutet auch rückwärts krabbeln können, das kann er jetzt also auch. Er gehörte nämlich zu den Kindern, die von anfang an vorwärts robbten und krabbelten. Also lernte er jetzt zwei Dinge auf einmal.

Keine Woche später stand das Baby plötzlich. Nicht an irgendetwas dran, dass kann er schon eine ganze Weile, sondern einfach so, mitten im Raum. Erst geht er in die Hocke, dann steht er. Zu Beginn hielt er sich kaum eine Sekunde auf den Beinen, jetzt bleibt er schon viel länger stabil stehen. Er lässt auch immer öfter die Dinge los, an denen er sich hochgezogen hat. Man sieht ihm an, dass das noch nicht genug für ihn ist. Er will weiter. Der Babysohn will gehen. Und das nicht an irgendetwas entlang. Frei gehen ist sein Ziel. Aber das klappt einfach noch nicht so, wie er es gerne möchte. Also übt er. Immer. Auch dann, wenn er schläft. Wenn er denn schläft.

Unser Baby ist immer in Action. Das kennen wir schon. Kurz mal still sitzen und etwas länger angucken oder sich mal an Mama und Papa lehnen um etwas auszuruhen ist nicht sein Ding. Das war okay, schließlich gab es ja Frühstücks- Mittags- und Nachmittagsnickerchen. Kurz andocken, einschlafen und wieder mit neuer Energie weiter machen.

Aber jetzt hat der Sohn Hummeln im Po. In kurzer Zeit hat er so viel neues gelernt und das will er perfektionieren und gleich noch etwas hinterher legen. Schlaf nimmt ihm wertvolle Zeit, in der eher vielleicht etwas verpassen könnte. Und jetzt wo Arme und Beine etwas können, wollen die Muskeln es so oft wie möglich wiederholen. Das geht natürlich nicht wenn man entspannt und still in Mamas Armen liegen soll. Also wird gezappelt und gedreht und gewendet, heruntergerutscht und wieder hochgekrabbelt, aufgestanden und hingeplumst. Und dabei gejammert. Denn nach zwei Stunden Ausdauersport, anders kann man die Aktivitäten des Sohnes nicht beschreiben, ist der Körper müde und auch der Geist braucht eine kleine Pause um alles verarbeiten zu können.

Wir sind ja im Team Einschlafstillen. Das klappte bis jetzt auch hervorragend. Die Wunderwaffe um zu entspannen und einzuschlafen. Und unterwegs snoozelte das Baby gerne in der Trage ein. Aber jetzt? Nö. Einfach nur Nö. Im Bett nebeneinander liegen und stillen funktioniert gar nicht mehr. Der Sohn liegt dann für zwei Sekunden an der Brust, dann dreht er sich auf den Bauch, der Po geht in die Höhe, die Füße werden in die Matratze gestemmt und plötzlich steht er, nur noch der Kopf ist unten, schließlich will er die Brust eigentlich nicht loslassen. Und dann prescht er nach vorne um sich an die Wand zu stellen. Oder legt den Rückwärtsgang ein um vom Bett zu steigen. Also stillen wir jetzt wieder im Arm. Läuft aber auch nicht wirklich besser. Manchmal windet er sich wie eine kleine Raupe von mir runter, krabbelt etwas rückwärts und ist dann schlecht gelaunt, weil die Brust nicht mitgekommen ist. Dann fällt er mit offenem Mund auf die Brust, nimmt zwei Züge und macht weiter Action, bis er wieder jammert, weil ihm die Brust fehlt und er müde ist. Festhalten ist keine Option. Mal ganz davon abgesehen, dass er wirklich stark ist, niemand entspannt sich, wenn man ihn festhält und darum geht es ja eigentlich bei der ganzen Sache.

Wenn er denn mal in meinen Armen liegen bleibt, dann machen seine Beine einen Spagat in der Luft, ein Fuß wird immer wieder in mein Gesicht gehalten und wenn seine Füße nackig sind, lacht er sich mit dem Nippel in der Brust kringelig, wenn er den großen Zeh in meinen Mund schiebt.

Bis der Babysohn schläft, können Stunden vergehen. Falls jetzt jemand denkt, dass er vielleicht gar nicht müde ist, doch doch, ist er. Sehr sogar. Die Augen werden gerieben, die Haare gerauft, Lachen wechselt sich mit Quengeln ab. Aber ganz kurz an der Brust sein gibt ihm noch mal einen kleinen Powerschub, den er immer wieder ausnutzt um noch mal Aufzudrehen. Es ist auch vollkommen egal in welchem Stadium der Müdigkeit er mit mir ins Bett geht. Leise erzählen und ein kleines Schlaflied (wirkten sonst immer echt gut) bringen ihn auch nicht mehr runter. Alles was bis jetzt half, hilft nicht mehr. Wir sind auch schon Abends zu einem Spaziergang mit dem Kinderwagen aufgebrochen, weil uns nichts mehr einfiel und er ab und an darin einschläft. Nach einer Stunde kamen wir mit einem vollkommen überdrehten Baby wieder nach hause. Auch in der Trage oder im Tuch kommt er kaum zur Ruhe. Erst werden die Arme oben herausgestreckt, dann hüpft er auf und ab, beugt sich zu beiden Seiten fast komplett heraus und guckt und zappelt.

Und wenn der kleine Sohn endlich schläft, dauert es nicht lange bis er sich plötzlich einfach hinsetzt, meistens noch mit geschlossenen Augen und noch gar nicht richtig wach. Und wenn man nicht schnell genug ist und ihn in den Arm nimmt, krabbelt er einfach los oder stellt sich hin. Dann ist er natürlich so wach, das an ein schnelles wiedereinschlafen nicht mehr zu denken ist.

Ich weiß, das ist alles nur eine Phase, ein Schub und vermutlich ist es von heute auf morgen wieder weg und er schläft wie eine Eins, aber gerade komme ich wirklich an meine Grenzen. Ich bin müde. So müde. Ich nicke teilweise beim Einschlafstillen ein und schrecke von seinem Zeh in meinem Mund wieder auf. Aber die Müdigkeit ist gar nicht das Schlimmste. Ich merke, wie ich an Geduld verliere. Ab und an, nach einer Stunde Zubettbringen, schnell aus dem Zimmer schleichen um mal Pipi zu machen und noch auf der Toilette hören wie das Baby wieder wach ist und meckert, weil es doch eigentlich schlafen will, kratzt an meinen Nerven. Manchmal hilft tief durchatmen gar nicht mehr, da muss ich selbst kurz weinen, bevor ich wieder eine entspannte Einschlafbegleiterin bin. Ich würde ihm so gerne erklären, dass es mit ein bisschen Schlaf viel leichter fällt neue Dinge zu lernen. Ein bisschen neue Energie bewirkt Wunder. Aber ich kann nichts machen als ihn immer wieder in den Arm zu nehmen, leise zu flüstern, dass jetzt Zeit ist um die müden Augen auszuruhen und Armen und Beinen, die so viel leisten, eine Pause zu gönnen.

Wenn ich anhand der Intensität dieses Schubes auf eine neue Fähigkeit schließen müsste, würde ich übrigens darauf tippen, dass das Baby demnächst an Wänden hochgehen kann.

Baby Kleinkind Kolumne

Der wird später sicher mal gemobbt

Über rosafarbene und blaue Geschlechterrollen und warum wir mit unseren Vorurteilen die Mobber von morgen erschaffen

2. Mai 2017
Der wird später sicher mal gemobbt | Rosafarbene und blaue Geschlechterrollen | Erziehung

Der Sohn hat eine rosa Mütze, auf ein paar Oberteilen sind kleine Kätzchen und ein rosa Tuch hat er auch. Ihm steht rosa einfach und ich mag Katzen. Mein Mann auch. Katzen sind kein Mädchending. Es bleibt mir ein Rätsel warum es sie nur auf Kleidung aus der Mädchenabteilung gibt. Rosa und „Mädchenkleidung“ lassen andere Menschen gerne mal dazu verleiten uns kluge Ratschläge zu geben. „Aber er ist doch ein Junge. Später will der dann doch sicher auch Kleider tragen und mit Puppen spielen. Der wird dann sicher gemobbt.“

Puh. Erstmal finde ich die Differenzierung von Mädchen- und Jungenkleidung albern. Eine Farbe ist weder einem Penis noch einer Vulva zugeordnet. Mädchen wollen auch gerne mal Pirat sein und Jungs Prinzessin. Schließlich dürfen die machen was sie wollen. Und Jungs spielen auch gerne mit Puppen Vater, Mutter, Kind, wobei es ihnen, je jünger sie sind, vollkommen egal ist ob sie Vater oder Mutter sind.

Unser Sohn verbringt die meiste Zeit des Tages mit mir. Er sieht mich wie ich ich koche und putze, wie ich Kleider und Röcke trage und wie ich mir Rouge auf die Wangen pinsel. Er beobachtet mich in meinem Tun immer mehr. Er schaut interessiert zu und fängt ganz langsam an mich nachzuahmen. Wenn er daran Interesse hat, wird neben dem großen Herd irgendwann ein kleiner stehen. Er darf mit meinen Pinseln seine Wangen kitzeln und sollte er mal einen Lippenstift zu fassen kriegen kann er sich und den Spiegel damit anmalen. Möchte er, wenn er etwas größer ist, meine Kleider anprobieren, darf er das. Schließlich durfte auch ich in die Kleider meiner Mutter und in die Hosen meines Vaters schlüpfen und hatte dabei einen Heidenspaß. Ich werde es ihm nicht verbieten sich im Geschäft Pullis mit Glitzerponys auszusuchen anstatt mit Treckern oder Trecker anstatt Glitzerponys. Er darf sich frei entfalten. In Hosen und Kleidern. Ich dränge ihn in keine Richtung.

Natürlich mag mir jetzt einer vorwerfen, dass ich es doch tue und ihn durch das Tragen von Hosen bereits zeige, dass Jungs eben Hosen zu tragen haben, aber hätte ich eine Tochter, sie würde in diesem Alter auch Hosen, Leggings und Strumpfhosen tragen. Bei Robb- und Krabbelkindern sind Kleidungsstücke einfach Quatsch, die hochrutschen können. Und Röcke und Kleider rutschen nunmal hoch.

Mobben hat nichts mit der Farbe oder der Art von Kleidung zu tun, die jemand trägt. Und auch nichts mit den Vorlieben für Puppen oder Autos. (Und natürlich auch nichts mit der Hautfarbe und Herkunft.)

Kinder mobben andere Kinder aufgrund von Vorurteilen, die ihnen von den Eltern mitgegeben werden. Eltern die befürchten andere Kinder würden aufgrund von rosa Mützen und Katzenprints gemobbt werden, schaffen die Mobber der nächsten Generation, gewollt oder ungewollt. Denn sie vermitteln ihren Kindern, dass bestimmte Dinge nur Mädchen dürfen, oder eben nur Jungs. „Irgendwann wird es vielleicht von den Mitmenschen akzeptiert, wenn Jungs auch Mädchensachen tragen, aber jetzt ist es noch nicht soweit und deshalb ziehe ich meinem Sohn keine rosa Sachen an.“ trägt nicht dazu bei, dass die nächste Generation toleranter damit umgeht. Damit wird weiterhin dafür gesorgt, dass es als abnormal angesehen wird. Es ist ja schön, wenn man eigentlich cool damit ist, aber es trotzdem nicht machen, weil andere es nicht machen, ändert nichts.

Baby Kolumne

Montags ist PEKiP-Tag

Warum ich Krabbelgruppen und Co. so mag

25. April 2017

Montags ist bei uns PEKiP-Tag. Nach einem Vormittagsschläfchen landen Windel und Mulltuch im Rucksack und das Baby in der Trage. Wir spazieren gemütlich eine halbe Stunde durch Winterhude, fahren dann mit dem Fahrstuhl in den 5. Stock und gehen die letzte Etage zu Fuß hoch in die Kursräume der Hebammenpraxis. Der Spaziergang gehört mit dazu, ganz egal was für ein Wetter draußen ist. In den ersten Monaten schlief der Babysohn noch auf dem Hinweg in der Trage ein, inzwischen wird unterwegs alles aufmerksam beobachtet und für einen vorbeilaufenden Hund hängt er sich auch gerne mal fast komplett aus der Trage.
Die frische Luft vor und nach dem Kurs tut uns gut. Vor allem danach. Beim PEKiP-Kurs wird der Raum auf 25°C aufgeheizt, damit die Babys dort ohne Body und Windel rumtoben können. Und 25°C in einem geschlossenen Raum sorgen schon mal dafür, dass alle Muttis am Ende in ihrem eigenen Schweiß baden. Ein Heimweg durch die frische Luft kühlt die glühenden Wangen.

Wir sind acht Mamas mit Baby im Kurs. Von der ersten Kursstunde an so ziemlich die gleiche Runde. Nur zwei sind etwas später eingestiegen. Die Babys kennen sich. Hier wird sich zur Begrüßung angeleckt und die anderen Muttis bekommen ein Lächeln zugeworfen. Während in den ersten Monaten die Babys einfach nur auf dem Rücken lagen, ab und an mal einem auf die Hose pischerten und glücklich mit Linsen gefüllten Flaschen und bunten Tüchern spielten, werden jetzt Bällebäder, Krabbaltunnel und kleine Podeste erobert.

Ganz gleich ob PEKiP, DELFI, FABEL oder ganz einfache Krabbelgruppe, solche Kurse bieten einem die Möglichkeit den Babys dem Stand der Entwicklung entsprechende neue und andere Reize zu geben, es gibt eine kompetente Kursleitung mit der man über Themen und Probleme aus dem Babyalltag reden und andere Mütter mit denen man sich austauschen kann.

Natürlich sind diese Kurse nicht ausschließlich für Mütter und ihre Babys, Auch Väter sind willkommen und ab und an kommt beim PEKiP auch mal ein Vater mit oder vertritt eine Mama. Aber bei uns sind in der Regel die Mütter am Start.

Es gibt Montage, die sind auch für uns grau, obwohl gar keine Arbeitswoche startet. Das Wochenende mit dem Papa ist vorbei und wir starten wieder in die Woche, in der wir tagsüber nur zu zweit sind. Das macht uns manchmal schlechte Laune. Aber auf dem Weg zum PEKiP-Kurs hellt sie sich wieder auf. Spätestens beim Betreten des Raumes und beim Absetzten auf die Matten ist alles vergessen und noch bevor man das Baby ausgezogen hat, wird schon munter erkundet und beim Begrüßungslied die Gruppe angestrahlt.

Eine Stunde, mit Hin- und Rückweg sogar zwei, ist es eine kleine Pause vom Alltag.

Auf einem Regal stehen Getränke, Balisto- und Kinderriegel und eine Schüssel mit Gummibärchen. Nicht für die Babys, sondern für die Mamis. Obwohl der Kurs erst Mittags startet, gab es in der Anfangszeit kaum jemanden von uns, der vor dem Kurs irgendetwas gegessen hat. Der neue Alltag mit Baby hat das Frühstück ausfallen lassen. Die süße Verpflegung hat die erste neue Energie am Tag geliefert. Und Schoki tut auch noch der Seele gut.

Von Schoki, Bällebädern und der Möglichkeit des Austausches mal abgesehen, bieten solche Kurse einem auch endlich mal die Möglichkeit einfach nur ins Leere zu starren und ganz kurz abzuschalten. Ich muss nicht hinter meinem Kind herlaufen wenn es auf der anderen Seite des Raumes gerade einen Turm Spielmatten erklimmt weil ich weiß, dass die anderen Mamas in seiner Nähe einen Blick auf ihn werfen, ihn in die richtige Richtung lenken, wenn er mit dem Kopf zuerst von etwas herunter möchte und die begeistert applaudieren, wenn er stolz einen Ball in die Höhe hält. Hier darf jeder mal kurz eine Pause machen. Immer öfter verlieren die Kinder inzwischen auch das Interesse an der eigenen Mutter und finden die der anderen viel spannender. Und die Handtaschen und Rucksäcke. Ausräumen von neuen Dingen macht schließlich doppelt so viel Spaß.

Aber wisst ihr was mir am PEKiP-Tag, allgemein an Tagen mit Krabbelkursen am besten gefällt? Ich kann alleine Pinkeln gehen. Ich kann die Tür hinter mir schließen ohne das vor der Tür jemand meckert und die Finger versucht drunter durch zu schieben. Ich kann mir sogar Zeit lassen und das Etikett der Seife durchlesen. Wenn ich zurück in den Kursraum gehe, ist mein Baby immer noch glücklich am Spielen oder hat sich einen anderen Arm gesucht um etwas Beruhigung zu finden.

Mit dem ersten Geburtstag endet der PEKiP-Kurs und ich halte jetzt schon Ausschau, nach einem schönen Ersatz für uns. Wir haben schon einige offene Krabbelgruppen besucht, die ich auch als ab und an Ersatz sehr angenehm finde, aber eine feste Gruppe, bei der sich alle kennen und vertrauen, möchte ich gerne weiterhin in unserer Woche haben.

Besucht ihr mit euren Kindern ähnliche Kurse?

Familienleben Kolumne

Drei Kinder sind Chaos

Eine Geschichte aus dem Alltag

11. April 2017

Ich habe einen neuen Hausarzt. Keine Ahnung was mit meinem alten passiert ist. Plötzlich war in seiner Praxis eine neue Ärztin und die Arzthelferinnen, die ich so sehr mochte, sind auch nicht mehr da. Ich könnte natürlich die neue Ärztin fragen wo mein alter Arzt hin ist, aber er war alt und ich habe Angst, dass mir die Antwort nicht gefällt. Ich könnte die neue Ärztin auch als neue Hausärztin nehmen, aber es hat sicher einen Grund warum die netten Arzthelferinnen nicht bei ihr geblieben sind und sicher ist sie der Teufel.

Na jedenfalls habe ich jetzt einen neuen Hausarzt. Einen ganz netten Griechen der nach Sommerurlaub aussieht und gleich um die Ecke ist. Eigentlich nimmt seine Praxis gar keine neuen Patienten auf, aber als ich heute früh mit dem Babysohn am Tresen stand und mein Glück in der offenen Sprechstunde versuchen wollte waren alle vom Baby so angetan, dass ich jetzt doch ein neuer Patient sein darf.

Mein neuer Hausarzt liebt Kinder. Alle zwei Minuten guckte eine der Arzthelferinnen bei uns rein und alle witzelten, dass sie kontrollieren würden ob das Baby noch bei mir, oder schon bei ihm sei. Im Nachhinein klingt das etwas unheimlich, aber ich war vorhin davon noch ganz begeistert.

Er selbst hat drei Kinder. Eigene, nicht von Patienten geklaut. Hoffe ich. Ein Kind, sagt er, sei perfekt. Bei zwei Kindern sei eines ein Mamakind und eines ein Papakind. Das sei doof. Drei Kinder seien Chaos. Pures Chaos. Und das sei am schönsten. Er würde immer wieder drei Kinder haben wollen. Ich mag Chaos. Jetzt muss ich mir überlegen wie ich Tom von zwei, statt nur einem weiteren Kind überzeuge.

Stillen findet er auch toll. Ich soll so lange stillen wie wir mögen. Tragen auch. Er schreibt mir nach Ostern aber trotzdem ein Rezept für Physiotherapie auf. Stillen und Tragen kann den Rücken schließlich schon mal unangenehm belasten. Und die letzten Nächte saß ich statt zu liegen mit dem Baby im Arm im Bett, das gerade Dauerstillt. Etwas für den Rücken klingt also ganz gut. Ein heißes Bad verschreibt er mir auch. Das Rezept löse ich gleich heute Abend bei Tom ein.

Beim Blutabnehmen erzählte er mir noch wie ich ihn erreichen kann. Nur per Telefon. Internet gibt es hier nicht. Wegen der Trojana. Ich nickte verständnisvoll. Schließlich will ich mir nicht noch einen neuen Hausarzt suchen.

Während ich google was das Hashimoto Syndrom ist, überlege ich mir weiter Kindernamen. Für zwei weitere Kinder ist unsere Namensliste nämlich noch zu kurz.

Kolumne

Maßvoll inkonsequent

Das verbiegen von Regeln

23. März 2017
Maßvoll inkonsequent | Über das Verbiegen von Regeln | Mama-Kolumne | Alltag mit Kind | Mehr auf ivy.li

Was möchte ich meinem Kind vorleben, was zeigen? Was erlaube ich, was möchte ich vermeiden? Ich habe mir während der Schwangerschaft viele Gedanken darüber gemacht und Regeln für uns aufgestellt, die wir inzwischen zum Teil ordentlich verbogen haben. Denn „nein“ zu etwas zusagen, das noch gar nicht akut ist, was wir noch gar nicht richtig einschätzen konnten, ist leichter gesagt, als es letztendlich auch umzusetzen.

Kein Brei lässt sich locker durchziehen, wenn das Baby eh bis zum siebten Monat nur stillen mag. Aber wenn es dir plötzlich deinen Frühstücksbrei genüsslich vom Löffel lutscht und weit den Mund aufreißt, sobald irgendjemand einen Löffel in der Hand hält, dann lässt man seinen BLW-Plan (Baby Led Weaning) schleifen. Und plötzlich gibt es Brei, Fingerfood und das Essen von Mama und Papa. Alles wild gemischt. Puh, aber Gläschen, die gehen weiterhin gar nicht. Ja und dann hast du irgendwann mal keine Lust für drei Löffel selbst Brei zu kochen und ganz ehrlich? Der Linsenbrei mit Gemüse und Couscous von Alnatura ist ziemlich lecker!

„Nee, gib dem Baby bitte nichts von deinem Marmeladenbrötchen. Kein Zucker im ersten Jahr.“ Beim letzten Besuch bei den Schwiegereltern sprudelte das noch aus mir heraus, letztes Wochenende durfte der Babysohn mal ein Löffelchen Eis probieren. Alles was wir essen, möchte unser Kind auch. Er lässt sich nicht mehr mit einem Stück Gurke oder einem Hirsekringel veräppeln. Und ich möchte nicht darauf verzichten bei einem Spaziergang durch die Sonne ein Eis zu genießen. Also darf er probieren. Süßes gibt es bei uns nicht oft in seiner Anwesenheit, also fühle ich mich dabei auch nicht schlecht. Klar, es gibt auch Eltern die unglaublich konsequent sind, aber ich bin es nicht. Bitte steinigt mich nicht. Ich glaube in Maßen, und das ist ein Löffelchen am Wochenende ganz sicher, ist Süßes vollkommen okay.

Wir wollten niemals den Fernseher laufen lassen, wenn unser Baby mit im Zimmer ist. Das war mir fast noch wichtiger als die „Kein Zucker“-Regel. Ja und dann kam eine Woche voller Regen, voller schlechter Laune, weil die ersten Zähne kamen, voller „bitte trag mich“ und die Wohnung fühlte sich immer kleiner an, voller „ich mag nicht schlafen“, aber ich war so müde. Und dann guckte ich eine Folge einer Serie und der Babysohn saß neben mir. Er guckte kurz zum Fernseher und nach ein paar Augenblicken war für den Rest der Folge das Sofakissen viel spannender. Wir sind in der Regel mehr Draussen als Drinnen und räumen mehr Schubladen ein und aus, rollen mehr Bälle durch die Gegend und schauen uns bunte Bücher an, als das ein Youtube-Video oder eine Folge bei Netflix läuft, aber ab und an läuft eben etwas.

Ich bin nicht perfekt, ich bin manchmal inkonsequent, ich lerne dazu und werfe über Bord, was für uns einfach nicht funktioniert, egal für wie gut ich es halte. Ich gehe den Weg, der für uns alle passt, bei dem wir am Wochenende ein Eis in der Sonne naschen können, ohne dass uns unser Kind im Kinderwagen mit weit geöffneten Mund entgegen blickt und frustriert ist, weil wir ihm nichts abgeben, bei dem ich auch mal vor 20 Uhr auf dem Sofa sitzen und mir ein Youtube-Video anschauen kann, während das Baby neben mir spielt und bei dem ich mich selbst nicht für eine schreckliche Rabenmutter halte, weil ich dem Sohn ein Gläschen Brei anbiete, weil mein Essen heute mal aus super scharfen Curry besteht und er nichts davon abhaben kann. Ich bin maßvoll inkonsequent.

Kolumne

Manchmal bin ich wütend auf meinen Partner

16. Februar 2017

Ich bin kurz davor mich meinem Baby anzuschließen und zu heulen. Der Tag war einfach nicht unser. Alles geht drunter und drüber und ich würde unglaublich gerne mal alleine pinkeln gehen. Oder mich kurz hinsetzten. Wirklich nur ganz kurz.

Und dann schreibt mein Mann mir, dass im Büro heute einfach nichts los gewesen sei. Bock auf Asiatisch hätte er zum Abendessen und morgen würde er gerne ganz in Ruhe eine Runde Radfahren.

Plötzlich bin ich wütend. Auf ihn. Dabei hat er überhaupt nichts gemacht. Er kann nichts dafür, dass heute bei mir irgendwie nichts funktioniert und mir alles zu viel wird. Er kann auch nicht riechen, dass ich gerade auf dem Zahnfleisch gehe und seine entspannten Nachrichten bei mir einen Schalter umkippen lassen und ich meine letzte Kraft für eine ordentliche Portion Wut mobilisiere.

Er durfte sicher ständig pinkeln gehen, alleine, ohne kleinen Zuschauer der sich auf seinem Arm hin und her wand und es zu einer wirklichen Challenge machte, Toilettenpapier zu benutzen, der nicht auf dem Boden liegen wollte und sich weinend an seinen Beinen hochzog, der einfach nicht schlafen wollte, weil ihn irgendwas plagte und nicht zur Ruhe kommen ließ. Und er konnte sicher ganz viel Tee trinken, warmen Tee, vielleicht sogar heißen.

Ich bin wütend, weil meine letzte Kraft fast aufgebraucht ist und er noch so viel hat. Ich bin wütend weil er das nicht weiß und nicht sensibler ist. Aber woher soll er auch wissen, dass er heute mit einem rohen Ei redet? Gestern lief ja schließlich alles gut und wir begrüßten ihn mit einem Lachen. Ich bin wütend, weil ich meinen eigenen Erwartungen nicht gerecht werde, weil ich nicht entspannter bin, weil ich nicht mehr kann. Und er bekommt es ab. Und dann bin ich wütend, weil ich wütend bin.

Ich möchte weinen und toben und schreien, ich möchte mit meinen Fäusten auf seine Brust hämmern und sauer sein, weil bei ihm alles gut lief und bei mir nicht. Ich möchte ihm auf seine entspannten Nachrichten schreiben, dass er ein Arsch ist und wie blöd ich ihn finde.

Stattdessen atme ich kurz durch. Schreibe ihm, dass ich noch mal mit Jonah spazieren gehe, spaziere, komme runter, entspanne mich mit Jonah und zuhause lasse ich mich von meinem Mann in den Arm nehmen. Meistens. Manchmal schreibe ich ihm auch, dass er ein Arsch ist.